Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725493
Nach dem Acte der Bestattung begab sich das Leichengefolge in die 
Wohnung des Verstorbenen zurück und feierte daselbst, gleichsam als Gäste 
des Dahingeschiedenen, das Todtenmahl (rrsgidetrrvozi). Drei Tage später 
wurde darauf das erste Todtenopfer (rgira), am neunten Tage das zweite 
(dimm) am Grabe dargebracht und mit dem dreifsigsten Tage beschlofs ein 
drittes Opfer (cgwexoig) wenigstens in Athen die Zeit der Trauer, während in 
Sparta dieselbe kürzere Zeit dauerte. Wie aber auch wir die Grabstätten 
theurcr Angehörigen von Zeit zu Zeit, namentlich an den Geburtstagen 
der Verstorbenen, besuchen und in stiller Trauer dieselben mit Kränzen 
schmücken, so war auch bei den Griechen das von duftenden Blumen um- 
gebene Grabmal eine heilige Stätte, an welcher zu gewissen Zeiten im Jahre 
dem Andenken des Verstorbenen Trank- und Speiseopfer dargebraeht wur- 
den (ävdyzdpa, ävayiCstv, auch xoai namentlich von den Trankopfern). 
Solches Todtenopfer vollzieht Atossa in den vPerserne des Aisehylos an 
der Grabstele ihres Gemahls Dareios: 
Drum kehrt' ich dieses Weges ohne Wagenpomp 
Und nicht in Glanz, wie früher, aus dem Haus zurück, 
Dem Vater meines Sohnes fromm geweihten Trank 
Zu bringen, Sühnespenden für die Schattenwclt: 
Von keuscher Kuh das weifse, süfse Milchgesehenk, 
Den Thau der Blumenfreundin, lichten Honigseim, 
Jnngfriiulichen Bornes strahlenhelle Fluth zugleich: 
Hier, unvermischt, der alten Rebe lautern Saft, 
Der aus des wilden Mutterstorkes Zweig entsprofs: 
Dort auch des stets in Blätterfülle grünenden 
Goldhellcn Oelbaums duftige Frucht, und Blumen, frisch 
Zum Kranz gereiht, der Mutter Erde Spröfslinge. 
Wohlan, o Freunde, stimmet frommen Festgesang 
Zu meinem Todtenopfer an, und ruft herauf 
Dareios' hehren Schatten, während der Erde Schoofs 
 Zum Preis der untern Götter meine Spende schlürft. 
Darstellungen solcher Todtenopfer sind vorzugsweise auf Lckythoi abge- 
bildet, welche sich theils noch wohlerhalten, theils zerbrochen zur Seite 
von Grabstelen, sowie auf Resten von Scheiterhaufen häufig vorfinden. 
Denn in Athen namentlich war es Sitte, nach geschehener Sühnung und 
Reinigung die dabei gebrauchten Gefäfse hinter sich zu werfen, sowie 
überhaupt kein Geräth, welches für die Todtenfeier gedient hatte, von 
Lebenden wieder in Gebrauch genommen werden durfte. Von zwei athe- 
nischen-Lekythoi sind auch die unter Fig. 318 und 319 dargestellten 
Todtenopfer entnommen. Das erstere (Fig. 318) stellt eine mit einer blauen 
Tänie umwundene und oben durch eine Mäander-Verzierung geschmückte
        

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