Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725486
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Der Tod. und die Leichenbestattung. 
es an Einsicht nicht zu mangeln scheint und der in Ansehn steht, auf 
einer für diesen Zweck errichteten Rednerbühne die gebührende Lobrede." 
Derartige Leiehenreden am Grabe waren übrigens in der classischen Zeit 
nur bei öffentlichen Begräbnissen Sitte. 
Die Wahl des Bestattungsortes, sowie die Art der Bestattung rich- 
teten sich theils nach den Vermögensumständen des Verstorbenen, theils 
nach den in verschiedenen Gegenden üblichen Sitten. In den frühesten 
Zeiten sollen die Begräbnifsplätze innerhalb der Wohnung des Verstorbenen 
selbst gewesen sein. Diese allzu nahe Berührung mit dem Todten jedoch, 
welche als verunreinigend angesehen wurde, war in Athen und Sikyon 
jedesfalls die Veranlassung, die Begräbnifsplätze aufserhalb der Stadt zu 
verlegen, während in Sparta und Tarent ein Platz innerhalb der Stadt 
zum Todtenfelde bestimmt war, um, wie es in der lykurgischen Gesetz- 
gebung heifst, die Jugend gegen die Todtenfurcht zu stählen. Solche 
Nckropolen zogen sich fast bei allen Städten vor den Thoren längs der 
Landstrafsen hin, und liefern dem Alterthumsforscher die reichste Ausbeute 
an jenen mannigfachen Grabmonumenten, welche in den  23 und 24 
ausführlich beschrieben worden sind. Oft genug freilich mochte die, für 
Athen wenigstens, gesetzliche Bestimmung, nach welcher kein Grabmal 
prächtiger errichtet werden durfte, als zehn Menschen innerhalb dreier 
Tage herzustellen vermochten, verletzt werden. Privatpersonen übrigens 
war es gestattet, die Leichen ihrer Angehörigen auch aufserhalb dieser 
Nekropolen auf ihren eigenen Feldern zu bestatten. Dafs aber das Ver- 
brennen des Leichnams und die ihm folgende Beisetzung der Asche im 
heroischen Zeitalter allgemein üblich war, geht aus dem Homer zur Ge- 
nüge hervor; wenigstens wurde diese Ehre den griechischen Anführern zu_ 
Theil, und scheint sich diese Sitte neben der, die Todten zu begraben, 
sei es, dafs der Leichnam in hölzerne oder thönerne Särge (loigvaij, 0096;) 
eingesargt dem Schoofs der Erde übergeben (vergl. S. 94 f.) oder in Grab- 
kammern beigesetzt wurde, bis zur Einführung des Christenthums erhalten 
zu haben, in welcher Zeit das Begraben der Todten zum allgemeinen 
Brauch wurde. Für beide Arten der Bestattung hatten die Griechen den 
Ausdruck ßoimsiv, aufserdem aber speciell für Verbrennen dasWort xaistv, 
für Begraben xazogürretv. Erstere Form der Bestattung scheint besonders 
dann ihre Anwendung gefunden zu haben, wenn durch eine massenhafte An- 
häufung von Leichen, wie auf den Schlachtfeldern oder bei der Pest in Athen, 
schädliche Ausdünstungen zu befürchten standen. Auch wurde es durch das 
Verbrennen leichter, die Ueberreste der in der Fremde Verstorbenen in die 
Heimath zurückzuführen und den Angehörigen zur Bestattung zu übergeben.
        

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