Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725444
 Der Tod und die Leichenbestattung. 
ßavövrmv, welcher dem Dahingeschiedenen von Verwandten oder Freunden 
erwiesen wurde. Darauf wurde der Leichnam, nachdem derselbe gewaschen, 
mit wohlriechenden Oelen gesalbt und in weifse, feine, den ganzen Körper, 
mit Ausnahme des Kopfes, bedeckende Gewänder eingehüllt war, auf die 
Kline gelegt, welche mit dem Fufsende der Thüre des Hauses zugekehrt war, 
und nun begann die Todtenklage, welche in der Stelle der llias, wo dem 
Achilleus der Tod des Patroklos gemeldet wird, also geschildert wird: 
Und von der Erd' auf rafft' er den schmutzigen Staub mit den Händen, 
Warf ihn sichüber das Haupt, und entstellt] das herrliche Antlitz. 
Voll war rings sein göttlich Gemach von der dunkelen Asche; 
Aber er selbst lag da, lang niedergestreckt, in dem Staube, 
Und er entstellt? und zerraufte das lIaar mit den eigenen Händen. 
Alle die Mägde, geraubt von Achilleus und dem Patroklos, 
Schrien laut auf, voll Schmerz in der Brust, und heraus aus dem Zelle 
Rannten sie, zu dem gewalügen Achilleus hin: mit den Händen 
Schlugen sie alle die Brust, und es lösten sich ihnen die Glieder. 
Dafs aber schon in jenen frühen Zeiten eine geregelte Todtenklage statt- 
fand, beweisen die Todtenfeierlichkeiten, welche am Lager des gefallenen 
Hektor angestellt wurden. Hier erscheinen Sänger, weiche Trauergesänge 
(ägijvon) anstimmen und die durch die Wehrufsklagen der Andromache, 
Hekabe und Helena unterbrochen werden. Mehrere Tage hindurch wurde 
der Todte ausgestellt, wie beispielsweise die Leiche des Achilleus während 
siebzehn, die des Hektor während neun Tage, und stets erneuerten sich 
in dieser Zeit die Wehklagen um den Gestorbenen, bis der Scheiterhaufen 
errichtet war, auf welchem der mit Fcstgewändern bekleidete und gesalbte 
Leichnam den Flammen übergeben wurde, während rings um den Holz- 
stofs vviele gemästete Schafe und viele krummhörnige Rinder" geopfert 
wurden. War der Scheiterhaufen von den Flammen verzehrt, so wurde 
die Gluth mit Wein gelöscht; die Gebeine aber und die Asche wurden, 
nachdem sie mit Wein und Oel benetzt waren, in Urnen oder kostbaren 
Kästchen gesammelt. Dann umhüllte man mit Purpurgewändern und präch- 
tigen Decken diese Aschenbehälter und senkte sie in die mit Steinen über- 
setzte Gruft. Ueber diese Grabstätte aber thürmte man, wie eine solche 
Ehre dem Achilleus und Patroklos von dem Heere der Achäer zu Theil 
wurde, einen hohen, weit sichtbaren Erdhügel (vergl. S. 90): 
Dafs er vom Meere von fern schon sichtbar werde den Männern, 
Die jetzt leben sowohl, als einst auch späten Geschlechtern. 
Agonen, wie oben dieselben geschildert wurden, und ein Festschmaus 
endeten die Leichenfeierlichkeiten. So bei Homer. 
In Attika sollen in älteren Zeiten die Feierlichkeiten bei der Bestat-
        

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