Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725422
Bewohner Athens und die ländliche Bevölkerung vor dem glänzendsten 
Thore der Stadt und ordneten sich nach einem vorgeschriebenen Cere- 
moniell zum feierlichen Zuge. An die Spitze traten die Kitharöden und 
Auleten, denen der Vortritt aus dem Grunde zuerkannt war, weil die 
musischen Agonen die jüngsten in der Reihe der an den Panathenäen 
eingeführten Spiele waren. Diesen folgte die mit Speer und Schild be- 
waffnete Bürgerschaft zu Fufs und die wohlgeordnete, im Paraderitt ein- 
herziehende Reiterei unter ihren Führern. Ihnen schlossen sich die Sieger 
im Rofs- und WVagenlauf an, jene entweder auf ihren Rossen reitend oder 
sie am Zaume führend, diese ihre stattlichen Viergespanne lenkend. Ferner 
erblickte man im Zuge die von den Priestern und Opferdienern geleiteten 
Fest-Hekatomben; aus der Bürgerschaft auserwählte stattliche Greise mit 
Oelzweigen, vom heiligen Baume in der Akademie gepflückt, in den Händen 
(öallotpogot); besonders geehrte Personen mit den für die Göttin be- 
stimmten Weihgeschenken; sodann die auserlesenc Schaar von Bürger- 
töchtern, Körbe mit dem Opfergeriith tragend (xavqqtögoi), und Epheben 
mit den von der Hand der gröfsten Meister angefertigten Schaugeräthen. 
lhnen schlossen sich die Frauen und Töchter der Schutzverwandten an, 
jene, um sie als Gastfreunde kenntlich zu machen, mit den dem Zeus 
Xenios geheiligten Eichenzweigen in den Händen, diese den Bürgertöchtern 
die Schirme und Sessel nachtragend (Öupgoqlögot, omadvycpögot, vergl. 
S. 144 und 206). Den Mittelpunkt des Zuges" aber bildete ein auf Rollen 
ruhendes Schiff, an welchem segelartig der grofse, von den attischen Jung- 
frauen gewebte und mit reicher Stickerei geschmückte Peplos der Athene, 
mit welchem das alte Xoanon der Göttin auf der Burg bekleidet wurde, 
befestigt war (vergl. S. 212). So etwa geordnet durchschritt die Procession 
die schönsten Strafsen der Stadt, an den berühmtesten Ileiligthümern vor- 
über, bei denen geopfert zu werden pflegte, bewegte sich dann um den 
Felsen der Akropolis herum und betrat, die prachtvollen Propyläen durch- 
schreitend, die Burg. Nachdem hier der Zug sich getheilt und an der 
Ostseite des Parthenon wieder vereinigt hatte, wurden die Walfen abgelegt 
und Hymnen zu Ehren der Gottheit von der versammelten Menge an- 
gestimmt, während das Brandopfer auf dem Altare sich entzündete und 
drinnen im Heiligthume die Weihgeschenke niedergelegt wurden. Diese 
Hauptmomente der panathentiisehen Pompa sind uns in dem Meisterwerke 
des Phidias zur Anschauung gebracht. Der Künstler aber scheint bei 
seiner Composition nicht den eigentlichen Festzug selbst, sondern vielmehr, 
zur Erreichung einer gröfseren Mannigfaltigkeit in derl Gruppirung, die 
Vorbereitungen zu demselben in's Auge gefafst zu haben.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.