Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725396
vergegenwärtigt uns das unter Fig. 315 abgebildete Vasenbild. Vor dem 
brennenden Altar steht der lorbeerbekränzte Priester und nimmt aus dem 
von einem in gleicher Weise bekränzten Opferdiener dargereichten und mit 
heiligen Zweigen geschmückten Korbe die Gerstenkörner, um sie in die 
Flammen zu werfen. Auf der anderen Seite des Altars naht sich ein 
zweiter jugendlicher Opferdiener, einen fackelähnlichen langen Stab in den 
Händen haltend, an dessen oberen Ende Wolle oder Werg, vielleicht zum 
Anzünden der Flamme, befestigt ist, oder, nach der Meinung einiger Ar- 
chäologen, ein Neokoros mit dem Besen aus Lorbeerzwcigen in den Händen; 
hinter ihm begleitet ein Flötenspieler die heilige Handlung mit den Tönen 
seines Instrumentes. Wie aber der Genufs von Getränken einen Bestand- 
theil der Mahlzeiten dcr Sterblichen bildete, so gehörte auch zum Götter- 
mahle die Darbringung von Trankopfern, welche bald mit den Speiseopfern 
verbunden, bald ohne dieselben allein gespendet wurden. So libirte man 
einigen Göttern ungemischten Wein, anderen hingegen, wie z. B. den Erin- 
nyen, Nymphen, Musen und Lichtgottheiten Honig, Milch und Oel. Solche 
Libationen finden sich unter anderem auf jenen mehrfach wiederholten 
choragisehen Basreliefs, auf welchen vor dem delphischen Heiligthume die 
Siegesgöttin das für die Spende bestimmte Getränk in eine Schale giefst, 
welche ihr von dem aus dem Wettgesange siegreich hervorgehenden Ki- 
tharöden dargercicht wird (Millin, Galerie mythol. pl. XVII. no. 58). 
Diesen unblutigen Opfern gegenüber standen die blutigen. Bei ihnen 
hing die WVahl der Opferthiere vorzugsweise von den Eigenschaften der 
Gottheiten ab, denen dieselben geopfert werden sollten. So waren den 
olympischen Gottheiten weifse, denen der Meere und der Unterwelt 
schwarze Thiere angenehm, und das Opfer eines Schweines für die De- 
meter, das eines Bockes für den Dionysos wurde dadurch motivirt, dafs 
beide Thiere die von diesen Gottheiten den Menschen verliehene Gaben 
zu vernichten pflegten. Den lclauptbestandtheil der Thieropfer bildeten 
Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine, welche, je nach den Vermögens- 
verhältnissen des Opfernden, bald in kleinerer, bald in gröfserer Menge 
gleichzeitig geschlachtet wurden, indem man mehrere Gattungen derselben 
häufig zu einem Opfer vereinigte. So sehen wir im Homer bereits bald 12, 
bald 99 Stiere für ein und dasselbe Opfer bestimmt, und Vollzähllge Biest" 
Hekatomben von hundert und mehr Stieren werden in späterer Zeit mehr- 
fachlierwähnt. Die ursprüngliche Sitte, das Opferthier ganz zu verbrennen, 
verschwand aber mehr und mehr, indem bereits in der homerisehen Zeit 
die Götter nur die Schenkel und kleineren Fleischstüekchen als Antheil 
erhielten, Während das Uebrige von den Theilnehmern am Opfer verzehrt
        

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