Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725326
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Die theatralischen Darstellungen. 
Gostüme. 
das Anlegen von Masken aus Blättern oder Baumrinde, an deren Stelle, 
als die Entwickelung des Drama's auch eine Vervollständigung des Costüms 
verlangte, Gesichtsmasken von bemalter Leinewand traten, spielte dabei 
eine Hauptrolle. Mit den Anforderungen unserer Zeit an die Schauspiel- 
kunst, wo das Mienenspiel des Schauspielers als nothwendiges Moment für 
die Darstellung erforderlich ist, verträgt sich freilich die Bedeckung der 
Gesichtszüge durch eine starre Larve oder die Einhüllung des ganzen 
Kopfes durch eine geschlossene Maske nicht. Im Alterthume hingegen, 
wo nicht das Individuum, sondern die verschiedenen Kategorien und Stände 
der Gesellschaft durch die Maske charakterisirt werden sollten, thaten die 
starren Formen der Maske dem Eindruck, welchen das Spiel auf die Zu- 
schauer ausübte, keinen Eintrag. K. O. Müller sagt darüber, dafs ndas 
Unnatürliche, welches in der Gleichmäfsigkeit der Gesichtszüge bei den 
verschiedenen Handlungen in einer Tragödie für unseren Geschmack liegt, 
in der alten Tragödie viel weniger zu bedeuten gehabt habe, in welcher 
die Hauptpersonen, von gewissen Bestrebungen und Gefühlen einmal 
mächtig ergriHen, durch das ganze Stück in einer gewissen habituell ge- 
wordenen Grundstimmung erscheinen. Man kann sich gewifs einen Orestes 
des Aischylos, einen Aias bei Sophokles, die Medea des Euripides wohl 
durch die ganze Tragödie mit denselben Mienen denken, aber schwerlich 
einen Hamlet oder Tasso. Indessen konnten auch zwischen den verschie- 
denen Acten die Masken so gewechselt werden, dafs die nöthigeniVerän- 
derungen bewerkstelligt wurdenß Das griechische Theater aber bedingte 
durch seine Gröfse die Anwendung allerlei künstlicher Mittel, damit die 
auf der Bühne gesprochenen Worte, sowie der Gang der Handlung auch 
den entfernt Sitzenden verständlich werden konnten. Zu diesen Mitteln 
gehörte, besonders in der Tragödie, wo die Heldengestalten der Mythen 
auf der Bühne erschienen, die durch die Anlegung hoher Masken und der 
Kothurne bewirkte Vergröfserung der Schauspieler. Die Vervollständigung 
der Maske nun zu einer nicht nur das Gesicht, sondern auch den ganzen 
Kopf verhüllenden Bekleidung mit darauf befestigtem Haupthaar und Toupe, 
Onkos (öyxog) genannt, wurde dem Aischylos zugeschrieben. Augen und 
Mund mufsten an derselben natürlich durchbrochen sein; jedoch war, wie 
aus bildlichen Darstellungen hervorzugehen scheint, die Oeffnung für die 
Augen nicht gröfser als die Pupille des unter der Maske verborgenen 
Schauspielers, und in gleicher Weise war das Mundloch nur" wenig 
mehr geöffnet als nothwendig, um der Stimme den freien Durchgang zu 
gestatten. So wenigstens waren die Masken in der Tragödie construirt, 
während die der Komödie mit verzerrten, weitgeöüneten und zur Ver-
        

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