Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725285
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Die theatralischen Darstellungen. 
Die Zuschauer. 
dem die Ueberschüsse der liir die Theorien aus der Tributkasse bestimmten 
Gelder nicht mehr ausreichten, um die unersättliche Schaulust des Volkes 
zu befriedigen, die nur für den Fall eines Krieges zurückgelegten Ueber- 
schufsgelder aus der Verwaltung angegrilfen und aufgebraucht werden mufs- 
ten.  Die Plätze im Theater waren natürlich nicht alle von gleicher Güte 
und die besten wurden unstreitig auch theurer von den vermögenden Be- 
suchern bezahlt. Dafs aber jeder Theaterbesucher sich wenigstens innerhalb 
der auf seinem Eintrittsbillet bezeichneten Kerkis und Stockwerkes zu 
halten hatte, darüber wachte die Theaterpolizei (Qaßdoqvögoo, öaßöoöxoa). 
Die Hauptmasse der Zuschauer bestand aus Männern; den Frauen hingegen 
gestattete die Sitte der älteren Zeit nur den Besuch des Theaters bei Auf- 
führung von Tragödien, während die derben Späfse der Komödie mitanzu- 
hören, einer sittsamen Athenerin nicht wohl anstand. Eine Ausnahme machten 
nur die Hetären, die sich in der Komödie häufig als Zuschauerinnen ein- 
fanden. Mit ziemlicher Gewifsheit aber kann man annehmen, dafs die Sitze 
der Frauen von denen der Männer getrennt gewesen sind. Knaben hingegen 
war der Zutritt zur Tragödie sowohl, wie zur Komödie gestattet. Ob auch 
Sklaven sich unter die Zuschauer mischen durften, bleibt freilich zweifel- 
haft. Denn ebenso, wie den Pädagogen der Eintritt in die Schulstube 
während des Unterrichts verboten war, mochte ihnen auch wohl nur die 
Begleitung ihrer Pllegebefohlenen zu den Sitzplätzen im Theater, nicht aber 
ein ferneres Verweilen in demselben erlaubt gewesen sein. In gleicher Weise 
waren diejenigen Sklaven, welche den Erwachsenen die Polster für die 
Sitzplätze nachtrugen, vom Zuschauen ausgeschlossen. Möglich aber, dal's 
seit der Zeit, wo der Eintritt käuflich wurde, auch gewissen Classen von 
Sklaven der Besuch des Theaters gestattet war. Was nun die Haltung 
der Zuschauer während der Vorstellung betrifft, so kann man aus manchen 
Stellen bei den alten Autoren schliefsen, dal's dieselbe schon damals eine 
ebenso bewegliche war, wie noch heutzutage in den Theatern des süd- 
lichen Europas Mit rauschendem Beifall, welcher sich durch Hände- 
klatschen, Zuruf und Zuwerfen von Blumen kund gab, wurden die Dichter 
und dieLeistungen der tüchtigen Schauspieler begrüfst; gegen schlechte Dar- 
steller hingegen machte sich der Unwillen des Publicums durch Pfeifen, 
ja sogar mitunter in Thätlichkeiten Luft. Dieselben Beweise des Beifalls 
oder der Verhöhnung richteten sich aber auch gegen einzelne bekannte Per- 
sönlichkeiten unter den Zuschauern bei ihrem Eintritt in das Theater. 
Wenden wir uns nun zur decorativen Ausstattung der Skene. Was 
die Skenenfront betrifft, so war dieselbe in der ältesten Zeit nur ein- 
Stößkig; als aber die Ausbildung des griechischen Drama's durch Aischylos
        

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