Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725276
Der Tanz. 
Die theatralischen Darstellungen. 
Die Zuschauer. 
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stellte und denselben mit den Chorführern im Weehselgespräch auftreten 
liefs, die erste abgerundete künstlerische Gestalt verlieh. Aus jenen an 
den Lenäen, dem bacchisehen Winterfeste, aufgeführten Chören, wo in 
den Leiden des Dionysos die ersterbende Natur geschildert wurde, ent- 
stand die Tragödie, während aus den kleinen oder ländlichen Dionysien, 
dem Schlufsfeste der Weinlese, die Komödie hervorging. An letzterem 
Feste pflegte das Symbol der Zeugungskraft der Natur, der Phallus, im 
festlichen Zuge herumgetragen zu werden, umgeben von einer jubelnden 
und mit allerlei Masken und Kränzen vermummten Menge. Waren die zu 
Ehren des Gottes angestimmten phallischen oder ithyphallischen Lieder 
verklungen, so überliefs man sich einer ausgelassenen Lustigkeit, in der 
Neckerei, Witz und Spott auf die Zuschauer gerichtet und von diesen 
erwledert, die ungebundene Fröhlichkeit erhöhten. Auf die Ausbildung 
der Komödie und Tragödie, sowie die Trennung des Satyrdrama's von 
letzterer hier näher einzugehen, würde aber die von uns gesteckten Grenzen 
überschreiten. Wir werden deshalb unsere nachfolgenden Betrachtungen 
über das griechische Theater vorzugsweise auf die decorative Ausstattung 
der Skene, soweit dieselbe in dem ä 30 noch nicht in Betracht gezogen 
ist, sowie auf das Costiim der Schauspieler zu richten haben. 
58. Werfen wir zunächst einen Blick auf den Zuschauerraum im 
'I'heatcr während der Vorstellung. Gewährt auch kein antikes Monument 
den Anblick eines bis in seine obersten Sitzreihen gefüllten Theaters, so 
kann die Phantasie des Lesers sich doch leicht eine Vorstellung von dem 
imposanten Eindruck machen, den eine solche unter dem blauen Zeltdache 
eines südlichen Himmels amphitheatralisch gruppirte Volksmenge in ihren 
huntfarbigen Gewändern auf den Beschauer hervorgebracht haben mag. 
Schon mit der ersten Morgenröthe begannen sich die Sitzreihen mit Schau- 
lustigen zu füllen, denn ein Jeder beeilte sich, gegen Erlegung des Ein- 
trittsgcldes (äswgmöv) einen günstigen Platz zu erlangen. Dieses an den 
Bauunternehmer oder an den Theaterpächter zu zahlende Entree von 
höchstens zwei Obolen, welches seit der Erbauung eines steinernen Thea- 
ters zu Athen aus Staatsmitteln den Aermeren ersetzt wurde, bildete 
bekanntlich eine der bedeutendsten und drückendsten Ausgaben des athe- 
nisehen Staatshaushaltes. Denn nicht allein bei den Festaufzügen an den 
Dionysien, wie ursprünglich bestimmt war, sondern später auch bei an- 
deren festlichen Gelegenheiten verlangte das Volk die Vergünstigung eines 
freien Entree für sich, und wurde in seinen Ansprüchen an die Staats- 
kasse von den Demagogen eifrigst unterstützt. So geschah es, dal's, nach- 
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