Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725245
reichen Tanz der phäakischen Jugend, lassen uns den Werth erkennen, 
Welchen bereits das hohe Alterthum auf die künstlerische Ausbildung der 
Ürchestik gelegt haben mufs. In jenen Tänzen der Phäalien bewegten 
sich die jungen Männer entweder im Chorreigen um den in der Mitte des 
Kreises stehenden Sänger, oder zwei geschickte Tänzer führten einen Solo- 
tanz auf. Dafs aber diese nach dem Rhythmus der Musik ausgeführten 
Bewegungen nicht blos eine Gelenkigkeit der Beine, sondern auch eine Bieg- 
samkeit des Oberkörpers, sowie eine rhythmische Bewegung der Arme in 
sich schlossen, scheint aus den Worten Homer's hervorzugehen, in welchen 
es heifst, dal's beide Jünglinge in oft wechselnden Stellungen getanzt haben. 
Es lagen hierin also vielleicht bereits die Anfänge der Mimik, welche später 
das Hauptmoment der Orchestik wurde. Hierdurch aber unterscheidet sich 
die hellenische Orchestik hauptsächlich von der uusrigen. Die Darstellung 
einer Empfindung, Leidenschaft oder Handlung durch Geberden, als natür- 
liche Zeichen derselben, das war, wie Lucian sagt, der Zweck der Tanz- 
kunst. Sie entfaltete sich aber, getragen durch die Lebhaftigkeit und das 
dem Südliinder eigenthümliche mimischc Talent, sowie durch den den Hel- 
lenen angeborenen Sinn für rhythmische Formen und Grazie, zur höchsten 
Schönheit. Ebenso wie nun die Gymnastik und Agonistik als iicht volks- 
thümlich so lange in ihrer ursprünglichen Reinheit sich erhielten, als das 
sittliche Princip unter den Hellcnen überhaupt noch seine Geltung be- 
wahrte, blieb auch die Orchestik, stets wach erhalten durch die Chorreigen 
an den zahlreichen Festen der Götter, in den ursprünglichen Grenzen edler 
Einfachheit. Nach und nach bildete sich jedoch mit dem sinkenden Ge- 
schmack der späteren Zeit ein Vorurtheil gegen die Selbstbetheiligung am 
Tanz aus, und so sehen wir, wie in der Agonistik die auf Glanz be- 
rechnete Athletik, so in der Orchestik die Virtuosität einer handwerks- 
miifsig getriebenen Mimik als höchstes Ziel hervortreten. 
Eine Sonderung der Tänze nun nach ihrem Charakter in kriegerische 
und gottesdienstliche erscheint schon deshalb als eine gewagte, weil eine 
Verbindung aller derselben mit dem Cult ursprünglich Wenigstens vor- 
herrschend war. Passender vielleicht würde die Eintheilung in bewalfnetc 
und friedliche Tänze erscheinen, welche Plato als 1d nolsntxöv sfdog und 
zö sigqwxöv bezeichnet. Unter den hVaifentiinzen, welche insbesondere dem 
Charakter des Dorismus zusagten, wird als ältester, zugleich aber auch 
als beliebtester Tanz die Pyrrhiche (nvdgiixq) erwähnt. Ihre Entstehung 
fällt in eine mythische Zeit, indem bald der Kreter oder Spartaner Pyr- 
rhichos, bald die Dioskuren oder auch des Achilleus Sohn Pyrrhos als 
ihre Stifter angesehen wurden. Die Pyrrhiche bestand aus einem von
        

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