Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725192
Das Symposion. 
Gaukler. 
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bekleidete Jünglinge, die sich zu einem gemeinsamen Mahle vereinigt haben. 
Das eigentliche Mahl scheint beendigt und der Nachtisch, wie die drei mit 
Früchten und pyramidalisch geformten Kuchen bedeckten Tische beweisen, 
bereits aufgetragen zu sein. Der Wein, welchen ein nackter, mit einer 
Stirnbinde bekränzter Knabe aus dem mächtigen Krater kredenzt, hat 
bereits die Gemüther der jungen Männer in eine gehobene Stimmung ver- 
setzt, indem drei schöne Mädchen, welche vorher vielleicht schon Auge 
und Ohr durch erotische Darstellungen und durch Gesang ergötzt hatten, 
sich bereits zu den Jünglingen auf das Lager gesellt haben. Wir über- 
lassen dem Leser die weitere Deutung der Situationen der einzelnen 
Liebespaare und wollen nur noch mit wenigen Worten zum Verständnifs 
des ganzen Bildes der Nebenliguren erwähnen. Zwei bekränzte Jünglinge 
ruhen auf beiden Enden der Kline, von denen der eine den aus dem ge- 
hobenen Trinkhorn iliefsenden Weinstrahl in eine Trinkschale auffangt, 
der andere aber eine bereits gefüllte Schale sinnend in der erhobenen 
Rechten emporhält, um sie den Liebenden zu kredenzen. Drei geflügelte 
Eroten umgaukeln die Paare. Von links her schwebt Eros und scheint 
mit der Bewegung seiner Hand den die Phiala füllenden Jüngling auf- 
zufordern, die noch spröde Hetäre durch den Genufs des Weines für 
die Liebcsanträge feuriger zu stimmen. I-Iimeros, der zweite der Eroten, 
eilt mit der Tiinie in den Händen zu dem mittleren Paare hin, während 
von rechts her Pothos, der Genius des sehnsüchtigen Verlangens, von dem 
rechten zum mittleren Paare schwebt. 
Gaukler beiderlei Geschlechts, welche bald einzeln, bald zu Banden 
vereinigt die Welt durchwanderten und, wie es beim Xenophon heifst, 
stets da, wo es viel Gewinn und viele einfältige Leute gab, ihre Schau- 
bühnen aufschiugen, wurden häufig zu solchen Festivitäten herangezogen, 
um die Gäste durch ihre Kunstproductioncn zu erfreuen. Dafs aber diese 
Personen auch damals schon eben nicht des besten Rufes sich erfreuten, da- 
iiir spricht der Yers des Manetho (Apotheles. IV, 276), in welchem sie als 
wdie Vögel des Landes, der ganzen Stadt verwerflichste Brute bezeichnet 
werden. Die Art ihrer Productionen war ebenso mannigfaeh, wie die 
unserer herumziehenden Gauklerbanden, und selbst die schwierigsten Lei- 
stungen auf dem Gebiete der Akrobatik und Jonglerie unserer Zeit finden 
 sich, freilich mit Ausnahme derjenigen, welche auf die neueren Entdeckun- 
gen der Physik und Chemie basiren, bereits im Alterthume nicht allein 
in der höchsten Vollkommenheit vor, sondern übertreifen sogar theilweise 
an Kühnheit die der Neuzeit. Da gab es Gaukler und Gauklerinnen, 
welche rückwärts und vorwärts bald über Schwerter, bald über Tische
        

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