Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725146
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Die Mahlzeit: Die Speisen. 
-Sodann aber stand der bei den Gastmählern der späteren Zeit im 
Arrangement des Mahles und im Raffinement der Speisenbereitung auf- 
gewandte Luxus im grellsten Gegensatz zu der Frugalität, welche die 
homerisehe Zeit eharakterisirt. Am Spiefs gebratene saftige Fleischstücke 
von Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen wurden damals von den Schaff- 
nerinnen auf die kleinen Tische gelegt, die vor den Sitzen der Schmau- 
senden standen (vergl.  33); dazu wurde Brod in Körben herumgereicht, 
und am Schlufs des Mahles der vorher in grofsen Krateren mit Wasser 
gemischte Wein getrunken. Der Gebrauch von Messern und Gabeln war 
aber damals, sowie auch in späterer Zeit unbekannt, daher die Sitte, so- 
wohl vor als nach der Mahlzeit sich die Hände zu waschen (oirrovizpudüao) 
und an dem dargereichten Handtuehe (xstgöuaxzgov) zu trocknen. Eben- 
sowenig kannte das griechische Alterthum den Gebrauch von Tischtüchern 
und Servietten, und meistentheils vertrat ein eigends dazu bestimmter Mehl- 
teig die Stelle derselben, um an ihm die durch das Anfassen der Speisen 
beschmutzten Finger zu reinigen, gelegentlich auch wohl, um daraus im- 
provisirte Löffel zu formen, mit denen die flüssigeren Speisen zum Munde 
geführt werden konnten. Noch heutzutage haben bei den Mahlzeiten der 
Orientalen derartige Scheiben von Teig dieselbe Bestimmung, wie im Alter- 
thum. Zwar wird die griechische Küche, selbst der späteren Zeit, auch 
abgesehen von der spartanisehen Genügsamkeit, die jede Art einer verfei- 
nerten, mehr dem Gaumenkitzel, als zur wirklichen Nahrung dienenden 
Kost verschmähte, als eine im Allgemeinen einfache, ja fast ärmliehe 
bezeichnet, bei der die yäfoz, flache, runde Gerstenkuehen, wie solche 
noch heutzutage unter demselben Namen in Griechenland gebräuchlich sind, 
ferner Salate, Lauch, Zwiebeln und Hülsenfrüchte die Hauptrolle spielten, 
weshalb die Griechen als ttmgozgoirrsgoz, oder qwllorgcäyeg versehrieen 
waren. Der ursprünglich in Grofsgriechenland heimische Geschmack für 
eine feinere Küche fand jedoch auch nach und nach im eigentlichen 
Griechenland an der Tafel der Begüterten Eingang. Statt der massen- 
haften Fleischspeisen der homerischen Zeit wurde den Seelischen und 
Schalthieren, sowie mannigfachen Gemüsen der Vorzug gegeben, und mit 
ihnen statteten bei festlichen Schmausereien entweder die auf dem Markte 
für solche Gelegenheiten gemietheten Köche oder sicilianische Kochkünstler, 
welche, wenigstens in der römischen Zeit, in keiner gröfseren griechischen 
Haushaltung unter der Zahl der Sklaven fehlen durften, die Tafeln aus. 
Sind wir nun auch, trotz der reichhaltigen Speisezettel, welche sich aus 
den alten Autoren zusammenstellen liefsen, nicht im Stande, ein unseren 
Gaumen zusagendes Mahl herzustellen, so können wir uns doch mit Hülfe
        

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