Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725133
Die Mahlzeit: 
Sitte des Lieg 
gens. 
307 
zehrt wurde. Die Kylix des Sosias im Berliner Museum, auf welcher 
die Götter paarweise auf Thronen sitzend zum Mahle vereinigt sind, kann 
uns vielleicht die ältere homcrische Sitte vergegenwärtigen. Nur bei den 
Kretensern soll sich die ältere Gewohnheit auch bis in die Spätere Zeit 
unverändert erhalten haben. Diese Sitte des Liegens beim Mahle, nament- 
lich der Männer, zeigen auch fast alle Bildwerke der späteren Zeit; Frauen 
und Kinder nahmen hingegen nur sitzend an der Mahlzeit Theil, erstere, 
wie die Bildwcrke ergeben, mcistentheils auf dem Ende der Kline zu den 
Füfsen des Ehegatten oder auf besonderen Stühlenl. Den Söhnen aber 
war das Recht des Liegens beim Mahle nur dann gestattet, wenn sie 
erwachsen waren, und in Makedonien mufsten dieselben sogar so lange 
auf dieses Vorrecht verzichten, bis sie einen Eber erlegt hatten, was dem 
Kassander allerdings vor dem fünfunddreifsigsten Jahre nicht gelungen 
sein soll. Finden wir jedoch auf antiken Bildwerken Frauen neben den 
Männern auf der Kline zur Mahlzeit gelagert, so sind wir wohl in den 
meisten Fällen berechtigt, die schwelgerischen Gelage einer späteren Zeit 
darin zu erkennen, bei welchen Hetären zu der Festlichkeit herangezogen 
wurden (vergl. Fig. 302). Ungewifs freilich bleibt es, ob wir die auf 
etruskischen Monumenten vorkommenden Darstellungen, wo eine und die- 
selbe Kline Mann und Frau beim Mahle vereinigt, mit in den Kreis dieser 
Bilder hineinziehen dürfen, da Aristoteles von den Etruskern ausdrücklich 
erwähnt, dafs bei ihnen Männer und Frauen unter einer und derselben 
Decke sich zum Essen gelagert hätten. Im Allgemeinen galt wohl für 
Fig 2951 Griechenland die Sitte, dal's nur 
 zwei Personen auf einer und 
j  ß]  derselben Kline Platz nahmen, 
(ggf  kyj  wie ein solches Arrangement 
 f" "f"  s" uns das unter Fig. 299 abge- 
f.  l  j bildete Vasenbild vergegenwär- 
 tigt. Auf demselben erblicken 
wir auf zwei nebeneinander stehenden Klinen je einen älteren und einen 
jüngeren Mann im lebhaften Gespräch miteinander gelagert, denen_del' 
Mundschenk die geleerten Trinkgefäfse zu füllen im Begrilf ist. Finden 
wir jedoch drei und mehr Personen auf Bildwerken auf einer und der- 
selben Kline gelagert (vgl. Fig. 302), so haben wir vielleicht darin schon 
eine Üebertragung römischer Sitten auf griechische zu erkennen. 
1 Man vergleiche die Beispiele, 
Thl. II. S. 242 R'n- gesammelt hat. 
in 
welche XVelcker 
"Alle 
seinem Werke: 
Denkmäler. 
20x
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.