Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725031
Vordertheils wesentlich verschieden ist, war bei den Fahrzeugen des Alter- 
thums die hintere SehilTshälfte, was den Rumpf lietrillt, eine genaue Nach- 
bildung der vorderen. Der niedrigste Punkt des Verdeelces fiel fast auf 
die Mitte des Schilfes, 'v0n welchem aus in sanft ansteigenden Linien nach 
beiden Seiten hin sich der Bord erhob. Der zweite wesentliche Unter- 
schied zwischen den Schiffen des Altcrthums und der Neuzeit besteht in der 
Anwendung des Steuerruders. WViihrend der Lauf unserer Fahrzeuge durch 
ein Steuerruder geregelt wird, welches sich am Ilintertheile derselben in 
Angeln bewegt, führten alle gröfseren Schiffe des Alterthums zwei auf 
beiden Seiten des Hintertheils angebrachte breite Schaufelruder (rrsddlwv, 
gubernaczzluan), eine Sitte, welche sich bis in das 13. Jahrhundert hin 
erhalten zu haben scheint. Diese beiden Pcdalien veranschaulicht uns z. B. 
ein Schiff auf einem pompejanischen Wandgemälde (Museo Borbon. X1. 
Tav. 35), wo aus viereckigen Löchern in der Bordwand die Ruder her- 
vorragen. Bei Fahrzeugen niederen Ranges waren die Steuerruder mit 
Riemen oder eisernen Klammern (zgomnnjg) in Einschnitten auf dem Schills- 
bord befestigt, bei gröfseren dagegen, bei welchen die übereinander sitzen- 
den Reihen der Ruderer eine Erhöhung des Bordes bedingten, wurden die 
Steuerruder durch ringförmige Oeffnungen der Bordwand hindurchgesteckt, 
welche gleichzeitig auch zum Durchziehen der Ankertaue dienten und des- 
halb von gröfserem Durchmesser waren, als die für die Ruder bestimm- 
ten runden Löcher. Eine kleine Cabine, ähnlich unseren Sehilderhiiuschen, 
welche wir auf Monumenten (Fig. 295) mehrfach unmittelbar hinter dem 
Steuermann erblicken, hatte unstreitig den doppelten Zweck, einmal den 
Steuermann, dessen Sitz beträchtlich höher als die Bänke der Ruderer lag 
und jedesfalls bei einem Secgefecht den feindlichen Geschossen als Zielpunkt 
diente, zu schützen, sodann demselben ein Obdach gegen das Unwetter 
zu gewähren. 
Ungleich schwieriger ist es, eine klare Anschauung über die Einrich- 
tung der Ruderbiinke zu gewinnen. Indem wir hier die oft wunderlichen 
Hypothesen, in welchen so manche Gelehrte bei der Reconstruction antiker 
Kriegsschiffe sich ergangen haben, übergehen, wollen wir mit I-Iülfe eines auf 
einem Vasenbilde (Micali, l'Italia avanti il dominio dei Rom. Atlas. Tav. 103; 
vgl. Fig. 293) dargestellten Kriegsschiffes zweiten Ranges, eines Zweirllderers 
(ÖVÖQTIG, biremie, vgl. Fig.294), die Anordnung der Ruderbärlkß für die 
gröfseren Kriegsfahrzeuge versuchen. In zwei horizontalen Reihen überein- 
ander ragen hier die Ruder aus der Breitenseite des Schiffsrumpfes dergestalt 
hervor, dal's die oberen längeren Ruder genau in dßll Zwiäßhenrätlmßll, 
welche durch die kürzeren Ruder der unteren Reihe gebildet werden, in
        

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