Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-725015
Das Schilf: 
Das homerische Schilf. 
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Argo, auf welcher Iason mit seinen Gefährten die erste gröfsere Seefahrt 
unternommen haben soll. Dafs aber schon zur Zeit des trojanischen Krieges 
Fim 29a der Schiifsbau eine gewisse Vollkommen- 
b   M heit erlangt hatte, geht aus zahlreichen 
21g.  v.  Stellen der homerischen Gesänge hervor, 
ääi   i in denen der inneren Einrichtung der 
  ß ß  Schiffe gedacht wird. Ruderer, an Zahl 
-  l Hz 20 bis 52, und zu gleichen Theilen auf 
i!    {R den längs derBordwände laufendenRuder- 
reg!  bänken (xlqideg) vertheilt, schlugen nach 
 I?  dem Tacte mit ihren langen Rudern aus 
Fichtenholz (ägeziuid) die dunkele Salz- 
iluth. Wie auf unseren Schaluppen hingen bereits bei dem homerischen 
Schiiie die Ruder zwischen Pflöcken (dxalnoi) in ledernen Riemen (vigmi- 
vowro d" ägsziwi zgorroig äv öeguazivoioiv), um ihr Abgleiten vom Bord- 
rande zu verhindern. Traten Windstille oder widrige WVinde ein, wurde 
das Schilf durch Ruderer fortbewegt, bei günstigem Winde jedoch richtete 
man den Mastbaum (E0165), welcher in einem Behälter oder wohl besser 
gesagt auf Stützen (idzodöxq) ruhte, in die Höhe, hielt ihn mittelst 
Taue, welche am Vorder- und I-Iintertheil des Schiffes befestigt waren, 
im Gleichgewicht und zog an ihm das an eine Raae (inixgwv) geschlagene 
Segel (idriov) auf. Wind und Ruderkraft vereinigten sich dann zur 
Fortbewegung des Fahrzeuges, dessen Lauf der Steuermann (xvßegvärqg) 
mit dem Steuerrudcr (nqddliov) lenkte. Die gen Ilion ziehenden Kriegs- 
schiffe trugen eine Bemannung von 50-120 Männern, welche ohne Zweifel 
sich auch der anstrengenden Beschäftigung des Ruderns zu unterziehen 
hatten. Ein Zwanzigruderer würde mithin etwa die kleinste der in der 
llias erwähnten Besatzung von 50 Männern geführt haben, von denen 20 
an den Rudern safsen, 20 andere als Ersatzmannschaft dienten; die übrige 
Mannschaft bestand dann wohl aus der für die Besorgung der Takelage 
nöthigen Bedienung, sowie aus den für das Ober- und Untercommando 
bestimmten Ofiicieren. Für den geringen Tiefgang jener Schiffe spricht 
der Umstand, dafs dieselben, theils um sie vor der Zerstörung durch (1115 
Salzwasser zu schützen, theils um sie zu trocknen, mit Leichtigkeit auf 
das Ufer gezogen werden konnten, wo hölzerne oder steinerne Stützen 
(äguara) dieselben trocken legten und zugleich ihr Herunterspülen durch 
die Brandung hinderten.  
Jedesfalls war die Ausbildung der Schiffsbaukunst ein Verdienst der 
Griechen. Die durch Meerbusen und Buchten ausgezackte Küste des grie-
        

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