Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-724834
als Wappen der meisten böotischen Städte auf den von ihnen geprägten 
Münzen (Fig. 273a, von einer Münze der böotischen Stadt Haliartus), 
sowie sehr häufig auf Vasenbildern des älteren Styls. Alle Schilde waren 
mehr oder weniger nach aufsen gewölbt. Die Art und Weise den Schild 
zu tragen, scheint aber in der ältesten Zeit eine sehr unbequeme gewesen 
zu sein, indem derselbe mittelst einer an der Innenseite in der Nähe des 
Randes angebrachten Lederschleife (zsleenaiv) um Kopf und Nacken ge- 
hängt wurde, während zum Dirigiren desselben für die linke Hand sich 
ein Griif (Ttögnalf) im Innern der Höhlung des Schildes befand. Eine 
Verbesserung dieser Walfe wurde nach Herodofs Angabe den Karern zu- 
geschrieben, indem dieselben in der Mitte der Schildwölbung einen me- 
tallenen oder ledernen Bügel (dxavov) zum Durchstecken des Oberarms, 
an dem Schildrande aber eine Handhabe für den Arm anbrachten (Fig. 267, 
268, 273 e). Ob damit jener vorhingedachte Telamon ganz wegfiel, oder ob, 
was wahrscheinlich, ein solches WVehrgehäng noch in späterer Zeit üblich 
war, um auf dem Marsch, in gleicher Weise wie bei den Römern, den Schild 
auf dem Rücken tragen zu können, darüber fehlen uns die Zeugnisse. 
Betrachten wir aber den mit seiner inneren Wölbung dem Beschauer zu- 
gekehrten Schild (Fig. 273 d), welcher zu den Füfsen der schönen Statue 
des sitzenden Ares in der Villa Ludovisi ruht, so erkennen wir ganz deut- 
lieh in dem, neben den Handhaben an einem Metallringe befestigten Riemen, 
jenes mit Telamon bezeichnete Wehrgehäng. Bei dem ältereren Rund- 
schilde fehlten aber häuiig die beiden Handhaben und statt ihrer wurde 
eine, von dem einen Schildrande bis zum anderen reichende, breite Quer- 
stange (xavaiv) über die Wölbung des Schildes befestigt, unter welcher 
der Oberarm hindurchgesteckt wurde. Die Hand dagegen erfafste eine von 
den ringsum im Innern des Schildes angebrachten Handhaben von Leder 
oder Zeug (Fig. 2735). Jedesfalls gewährten diese zahlreichen Handhaben 
den Vortheil, dafs, wenn der Schild in der Nähe einer derselben verletzt 
oder sie selbst zerrissen war, der Kämpfer nur den Schild etwas um den 
Oberarm zu drehen und mit der Hand eine der unversehrten Handhaben 
zu erfassen brauchte. Der Schild kam mithin, selbst wenn er stark be- 
schädigt war, während des Kampfes nicht aufser Anwendung. Wahr- 
scheinlich gehörte diese Art den Schild zu tragen der älteren Zeit im, d?! 
wir dieselbe nur auf Vasenbildern aus der früheren Periode vorfinden. 
Der Schild wurde von Ochsenhäuten verfertigt, welche man in mehr- 
fachen, oft sogar in sieben Lagen übereinander mittelst Nähte verband, 
und darüber mit Nägeln eine Metallplatte "befestigte. Die Köpfe dieser 
Nägel (öpqvalöi) traten längs des Schildrandes buckelartig hervor (F ig.272 a),
        

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