Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722158
Die Säulen. 
sondere Verehrung genols. Noch mehr wird diese Ansicht bestätigt durch 
die Sage, dal's gerade auf dem Berge Ocha die Göttin ihre Vermählung 
mit Zeus begangen habe, so dal's man mit ziemlicher Gewilsheit annehmen 
darf, das von uns betrachtete Heiligthum sei zum Gedächtnils jenes 
feierlich mythischen Ereignisses auf derselben Stelle errichtet worden, Wo 
dasselbe der Sage nach stattgefunden hatte. 
4. Von der einfachen Form des viereckigen, von glatten Wänden 
umschlossenen Hauses, wie wir dieselbe in dem Tempel der Hera kennen 
gelernt haben, schritt man nun allmälig zu schöneren und reicheren Bil- 
dungen vor. Diese Verschönerungen beruhten hauptsächlich auf der Hin- 
zufügung der Säulen. Die Säulen sind freistehende Stützen, die zum 
Tragen der Decke und des Daches dienten, und denen eine besondere 
künstlerische Form und Gliederung gegeben wurde. Solche Stützen kommen 
schon in den homerischcn Gedichten vor; sie wurden hauptsächlich im 
Innern der dort geschilderten Königspaläste verwendet, wo z. B. die Höfe 
von Säulenhallen umgehen sind und die Decke des Männersaales von ihnen 
getragen wird. Aus der Verbindung dieser Stützen mit dem Tempelhause 
und der verschiedenartigen Verwendung derselben im Aeufsern und im 
Innern dieses letzteren gingen alle späteren Formen des griechischen Tein- 
pels hervor. 
Ehe wir nun diese beschreiben, haben wir die verschiedenen Arten 
der Säulen selbst zu betrachten. Es lassen sich_ nämlich, ganz abgesehen 
von der allmäligen Umgestaltung, welche die Säule im Verlauf der Zeiten 
erlitt und deren Betrachtung der Kunstgeschichte angehört, zunächst zwei 
Hauptgattungen unterscheiden, deren Kenntnifs erfordert wird, um sich 
ein Bild von den verschiedenen Tempelformen selbst entwerfen zu können. 
Diese beiden Säulengattungen, die man auch mit dem Namen der 
Säulenordnungen zu bezeichnen pflegt, sind die dorische und die ionisehe. 
Eine dritte, die korinthische Säulenordnung, ist erst in späteren Zeiten 
der griechischen Kunstgeschichte in Gebrauch gekommen. 
Die dorische Säule hat ihren Namen von dem griechischen Volks- 
stamme der Dorier erhalten, von dem dieselbe erfunden und am häufigsten 
angewendet worden ist und dessen ernstem und würdigem Charakter sie 
durch ihre ganze Bildung entspricht. Sie zerfällt in zwei Theile, den 
Sßhafll und das Capitell. Der Schaft besteht aus einem Stamme von kreis- 
f örmigem Durchschnitt, der bis etwa auf ein Drittel seiner Höhe unmerklich 
anschwlllt (ÄWWFIQ) und nach oben hin mehr oder weniger sich verjüngt, 
mit Seinem breiteten unteren Ende aber unmittelbar auf der obersten
        

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