Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-724665
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Gymnastik und Agonistik. 
Der Faustkampf. 
Das Punkmtir 
Schlauheit und List an ihrer Stelle. Die Anwendung unerlaubter Mittel, 
um den Sieg zu erringen, sowie die absichtliche Tödtung des Gegners 
wurde jedoch schwer geahndet. [hauptsächlich wurden die Hiebe gegen 
den Oberkörper gerichtet, und Schläfen, Ohren, Backen, Nase, Mund und 
Kinn waren die Zielscheibe für die Faustschliige. Zähne und Ohren kamen 
dabei freilich am schlimmsten weg, da erstere häufig eingeschlagen, letztere 
zerquetseht wurden, wie denn solche platt geschlagenen Pankratiasten- 
Ohren an einigen Statuen nachweisbar sind. Wollene oder lederne Ohren- 
klappen (äycpaniösg) wurden jedoch wohl nur im Gymnasien oder in der 
Palästra, nicht aber bei den öffentlichen Agonen angewendet. Bei gleicher 
Gewandtheit und Stärke gönnten sich die Faustkämpfcr ab und zu eine 
kurze Erholung, um alsdann mit neuen Kräften das blutige Schauspiel 
wieder zu beginnen. Bei lange anhaltenden Kämpfen aber pflegten sie, 
um eine raschere Entscheidung des Sieges herbeizuführen, einen festen 
Stand einzunehmen und in dieser Stellung so lange angrilTs- oder ver- 
theidigungsweise zu verharren, bis der eine oder der andere Kämpfer 
durch Emporheben der Hand sich für besiegt erklärte. 
Hatte sich schon im Faustkampf ein reiches Feld für die Production 
der Athletik eröffnet, so war dies in noch bei weitem gröfserem Mafse im 
Pankration (nayxgofztov) der Fall. Dasselbe bestand in einer Verbindung 
des Faust- und Ringkampfes, welche jedoch dem heroischen Zeitalter un- 
bekannt war und erst in der 33. Olympiade in die Reihe der ölTentliehen 
Spiele aufgenommen wurde. Die Vereinigung beider Kampfesarten schlofs 
natürlich die Benutzung der Faustriemen aus, da diese den freien Gebrauch 
der Hände zum Ringkampf gehindert haben würden. Nach den Regeln 
der Kunst durfte beim Pankration der Schlag nicht mit geballter Faust, 
sondern nur mit gekrümmten Fingern ausgeführt werden. Sonst war 
jeder schulgerechte Griff oder Schlag, jede List zur Berückung des Gegners, 
kurz alle für den Ring- und Faustkampf einzeln angewandte Schemata 
in dieser zusammengesetzten Kampfesart gestattet und nur die Anwendung 
unerlaubter Mittel zur Schwächung des Gegners (xaxouaxeiv) wurde 
streng bestraft. 
53. Nach der Betrachtung der gymnischen Agonen (äycbv yvpvzxög) 
wenden wir uns zu dem Theil der Agonistik, welcher, als Zrmmög äyaiv 
bezeichnet, das WVagen- und Pferderennen umfafste. Beide Agonen be- 
haupteten zu allen Zeiten, als die edelsten und ritterlichsten, den höchsten 
Rang in der Agonistik. Da aber die Ausrüstung der Wagen, sowie die 
Zucht der üir den Wettlauf bestimmten Rosse nur in den Mitteln der
        

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