Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-724586
252 
Gymnastik und Agonistik. 
Der 
Sprung- 
Darstellungen kennen. Dieselben waren, wie die in den Händen eines 
zum Sprünge antretenden Epheben befindlichen Halteren auf einem Vasen- 
bilde (Fig. 253) zeigen, entweder halbovalförmig gestaltete Metallstücke, 
in deren gebogenen Seiten sich Oeffnungcn zum I-lindurchstecken der Hände 
befanden, oder sie bestanden aus zwei durch eine Handhabe verbundenen 
Kugeln oder Kolben, glichen also in dieser Form vollkommen unseren 
Hanteln. Die Anwendung dieser Halteren war jedesfalls folgende. Der 
Springende, mochte derselbe den Standsprung, d.h. den Sprung ohne Anlauf, 
oder den Anlaufsprung ausführen, streckte die mit den Halteren bewaff- 
neten Arme in gerader Richtung nach vorn (Eig. 253) und bewegte dieselben, 
den Körper gleichsam fortrudernd, während des Sprunges mit einem hef- 
tigen Ruck nach hinten. Der Körper erhielt dadurch eine Schnellkraft, 
welche den Springendcn mit Sicherheit über einen gröfseren Raum hin- 
wegtrug, als dies ohne Anwendung der Sprunggewichte möglich gewesen 
wäre. Immerhin aber bleibt es unerklärlich, dafs der Krotoniate Phyalos 
mittelst dieser Halteren einen Weitsprung von fünfundfünfzig Fufs aus- 
geführt habe, da die geübtesten Turner unserer Zeit mittelst der Spring- 
stange blos ein Drittheil dieser Distance zu überspringen im Stande sind. 
Nach der auf unseren Turnplätzen üblichen Methode wurde auch auf den 
Sprungplätzen der Alten die Stelle des Aufsprunges (ßoerojg) durch ein 
in den Boden gegrabenes Zeichen oder durch ein freistehendes Sprung- 
brett bezeichnet. Ein solches sehr hohes Sprungbrett, von welchem ein 
Palästrit den Salto mortale ausführt, vergegenwärtigt uns ein Wandgemälde 
im Innern einer etruskischcn Grabkammer (Micali, fltalia avanti il dominio 
dei Romani. Atlas. Tav. 70), auf welchem überhaupt die mannigfachsten 
Ucbungen der Palästra in sehr anschaulicher Weise dargestellt sind. Das 
Ziel aber, welches die Springenden zu erreichen hatten, wurde entweder 
durch eine in die Erde gezogene Furche (oxoäypa) angedeutet oder es 
wurde die von jedem der Agonisten übersprungene Entfernung durch 
einen Einschnitt in den Boden bezeichnet. Auf dieses Furchenziehen deuten 
auch wohl die in agonistischen Darstellungen auf Vasenbildern mit Spitz- 
hacken erscheinenden Männer (Gerhard, auserlesene griechische Vasenbilder. 
Taf. CCLXXI). Andere, ebenfalls in diesen Bildern vorkommende Personen 
tragen lange, roth gefirbte Bänder in den Händen, wahrscheinlich Mefs- 
ketten, um die Mafse der Sprungweite, sowie die der übrigen Kampfesarten 
zu bestimmen. Hat nun auch unsere Turnkunst den Gebrauch der Halteren 
als Sprunggewiehte nicht aufgenommen, so ist doch ihre schon im Alter- 
thum empfohlene Anwendung als Geräth zur Stärkung der Arm-, Nacken- 
und Brustmuskeln auch in der neueren Turnkunst zur Geltung gekommen.
        

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