Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-724544
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Gymnastik und Agonistik. 
Der Wettlauf. 
Gymnasion uns vor Augen führt, "durch welche uns ein Einblick in die 
Turnplätze mit den Turnenden, den Geräthen und den Vorturnern oder Leh- 
rern gestattet ist. So erblicken wir auf Vasenbildern häufig bald ältere, 
bald jüngere, in lange Himatien eingehiillte Männer, welche, auf ihren 
Krückstoek gelehnt, den sich im Agon Tummelnden entweder zuschauen 
oder mit einem gabelförmig gespaltenen Stabe (Gerhard, auserlesene grie- 
chische Vasenbilder. Taf. CCLXXI), dessen Bestimmung freilich nicht klar 
ist, die Uebungen leiten. In diesen Männern haben wir unstreitig die 
Gymnasten oder Pädotriben zu erkennen, von denen die ersteren die Aus- 
bildung der sich Uebenden in Bezug auf die Bildung, Gestaltung und 
Haltung des Körpers zu überwachen, die letzteren aber den materiellen 
Unterricht, die Erlangung von Fertigkeit in den einzelnen Leibesübungen, 
zu leiten hatten. Sie waren die eigentlichen Turnlehrer und als solchen ge- 
bührte ihnen der Platz unter" den Turnenden. Unter den anderen, auf Bild- 
werken freilich nicht nachweisbaren Beamten der Turnplätze erwähnen wir 
die Sophronisten, deren Amt es war, die Aufsicht über das sittliche Verhalten 
der Jugend zu führen, dieselbe zur dwqigodzivo; anzuhalten. Ihre Zahl belief 
sich in Athen auf zehn, von denen jede Phyle einen wählte. Zur Kaiserzeit 
sehen wir ferner den Kosmeten, welchem ein Antikosmet und zwei Hypo- 
kosmeten beigeordnet waren, als Aufseher der Epheben im Gymnasien be- 
stellt. Dem Gymnasiarchen aber lag die Oberaufsicht über die Gymnasien 
ob, ein Ehrenamt, das mit erheblichen Leistungen aus eigenen Mitteln ver- 
bunden war; dahin gehörte die Ausschmückung der für die Festspiele be- 
stimmten Räumlichkeiten, die Bestreitung der Kosten des Fackellaufes, die 
Beschaffung des für die Uebungen nöthigen Oels, welches in späteren Zeiten 
jedoch vom Staate geliefert wurde, sowie die Leitung der von Knaben und 
Epheben zum Gedächtnifs berühmter Männer aufgeführten Festzüge. 
Was die einzelnen Leibesiibungen speciell betrifft, so kann man an- 
nehmen, dal's die einfachsten, d. h. diejenigen, welche ohne Geräth und 
ohne Antagonist ausgeführt werden konnten, die ältesten gewesen sind. 
Als erste bezeichnen wir den Lauf (dgöptog), der auch in der Reihe der 
gymnischen Agoncn, mit welchen die Feier der grofsen hellenischen Fest- 
spiele begangen wurde, die erste Stelle einnahm. In Olympia wenigstens 
war nach der Herstellung der Spiele durch Iphitos der Wettlauf lange 
Zeit sogar die einzige Kampfart, und da es nachweisbar ist, dal's die Ein- 
richtung der Olympien den Pythien, Nemeen und Isthmien, sowie vielen 
anderen hellenischen Festspielen, zum Vorbilde dienten, so scheint die An- 
nahme gerechtfertigt, dal's bei allen Festen, an denen das Pantathlon voll- 
ständig durchgekämpft wurde, der Wettlauf jedesmal die Reihe der gym-
        

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