Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-724538
Gymnastik xmd 
Agonistik. 
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zu glänzen eine die Regeln der Schönheit überschreitende Technik. Das 
Gefallen aber, welches die Griechen der späteren Zeit an dieser gekün- 
stclten Steigerung der Technik, wie dieselbe von Einzelnen ausgebildet 
wurde, an den Tag legten, spricht hinreichend für den sinkenden Ge- 
schmack an dem wahrhaft Edlen und Harmonischen. So, sehen wir 
die freie, edle Agonistik in einen handwerksmäfsigen Betrieb derselben, 
in die Athletik (äälqztmj), nach der späteren Bedeutung des Wortes, 
ausarten. Ein gleiches Abgehen von der edlen Einfachheit charakterisirte 
aber auch bei den musikalischen und orchestischen Agonen den gesun- 
kenen Geschmack der späteren Zeiten. Wie dort die Athletik der Zweck 
der Agonistik, wurde hier die Virtuosität das höchste Ziel der Kunst- 
übung. 
Die hellenische Kunst aber fand in jenen schönen Bildern, welche 
sich täglich in der Palästra und dem Gymnasien vor den Augen des Be- 
schauers aufrollten, die ergiebigste Quelle für ihre Leistungen. Hier be- 
geisterte sich der Künstler im Anschauen der zarten, abgerundeten Formen 
der Jugend, der markigen l-Ieldengestalten der Männer, hier fand er in 
den schönen Stellungen der Agonisten die Motive für seine künstlerischen 
Schöpfungen, und dieser durch die lebendige Anschauung stets rege er- 
haltene Sinn für schöne Formen beseelte ihn bei der Ausführung seiner 
Werke. Das Volk aber blickte mit Stolz auf diese ächt volksthümlichen 
Leistungen der Kunst, in denen es ja sein eigenes Spiegelbild fand, und 
im Anschauen derselben wurde gleichzeitig der Schönheitssinn im Volke 
wach erhalten. Für den ungemeinen Reichthnm an plastischen Denkmälern 
aber, durch welche die Griechen das Andenken an die Sieger in den 
Agonen nicht nur an jenen Stätten, an welchen die obenerwähnten Fest- 
spiele stattfanden, sondern auch in den Geburtsstätten der Sieger verherr- 
lichten, sprechen die schriftlichen Zeugnisse des Alterthums. Führt doch 
Pausanias, nachdem von römischen Erobereru die Denkmäler Olympiafs 
bereits massenhaft geplündert und vernichtet waren, bei seiner Beschrei- 
bung dieses Ortes noch zweihundert und dreifsig Bronze-Statuen von 
olympischen Siegern namhaft auf, welche als Reste früherer Herrlichkeit 
die Plätze und Strafsen schmückten. Auf uns ist freilich von diesen Kunst- 
werken nur ein kleiner Theil gekommen; diese wenigen Beispiele bekunden 
aber fast durchgängig eine Meisterschaft in Auffassung und Technik; sie 
genügen, uns zu zeigen, in welcher nahen Verwandtschaft die Kunst zum 
Volksleben stand. Nächst den Werken der Plastik ist es aber vorzugs- 
weise die Vasenmalerei, welche unserer Erklärung der Leibesübungen ein 
reiches Material bietet, indem sie ganze Scenen aus der Palästra und dem
        

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