Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-724522
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Gymnastik und Agonistik. 
können, während das Ringen bereits den Wettkampf zweier Personen be- 
dingt, so veranlafst doch die Gemeinsamkeit, in weicher diese Uebungeil 
von mehreren Personen gleichen Alters und von gleichen Kräften ausge- 
führt zu werden pflegen, ein gegenseitiges Messen und Prüfen der Kräfte, 
ein Wetteifern der sich Uebenden untereinander, und so sehen wir in der 
Gymnastik den Wettkampf (äyoiv) begründet. Das Streben nach Gewandt- 
heit und Fertigkeit in den Leibesübungen, der Ehrgeiz, aus dem_Wett- 
kampfe als Sieger hervorzugehen, wurde der Haupthebel zur Ausbildung 
der höheren, ausschliefslich auf den Wettkampf gerichteten Gymnastik, 
welche mit dem Namen Agonistik (äyazvtdzzxrf) bezeichnet wird. Die 
Agonistik fand aber in den grofsen Nationalfesten der Hellenen, und unter 
diesen vorzugsweise in den Festspielen zu Olympia, welche in jedem fünften 
Jahre zur Zeit des erstenVollmondes des sommerlichen Sonnenwendepunktes 
gefeiert wurden, ihren Hauptstützpunkt. Dorthin zogen, geladen durch Zeus' 
Friedensboten, die Abgesandten der an der Festfeier sich betheiligenden Städte 
und Herrscher, Schiffe führten von fernen Gestaden Schaaren schaulustiger 
Hellenen herbei, dorthin eilte die Blüthe griechischer Jugend, eilte Alles, 
was auf den heimischen Ringplätzen sich durch körperliche Tüchtigkeit 
ausgezeichnet hatte, um unter den Augen einer unermefslichen Volksmenge 
im edlen Agon um den Kranz des Zeus zu ringen. Nur wer von den 
strengen Kampfrichtern, den Hellanodiken, für sittenrein und von ächt 
helleniseher Herkunft befunden war, wer beweisen konnte, auf einem grie- 
chischen Gymnasien während zehn Monate eine schulgcrechte Ausbildung 
sich angeeignet zu haben, durfte zur silbernen Loosurne herantreten und 
im heiligen Wettkampf sich versuchen. Und welcher Jubel begrüfste den 
Sieger, welche Ehren erwarteten seiner am Siegesplatze und daheim bei 
seiner Rückkehr in die Vaterstadt. Mit dem frischen Kranze des Oelbaums, 
mit der Palme schmückten die Hellanodiken im Zeustempel den Sieger, 
Hymnen ertönten, und Lobgediclite, wie sie ein Pindar sang, Inschriften 
und bildliche Darstellungen in Erzgul's bewahrten auch für spätere Ge- 
schlechter das Andenken an den Sieger.  Je mehr jedoch das Streben 
sich geltend machte, durch Gewandtheit und Körperstärlae in den öffent- 
lichen Spielen zu glänzen und hier einen unsterblichen Ruhm, der ja der 
Ehre eines römischen Triumphes glcichgeschätzt wurde, zu gewinnen, trat 
der eigentliche pädagogische Zweck der Gymnastik, in der Jugend ein 
kräftiges, zum Schutze des Staates tiichtiges Geschlecht heranzubilden, in 
den Hintergrund. Ebenso wie die Kunst- nach Ueberwindung der tech- 
nischen Schwierigkeiten nur allzuleieht in den Fehler der Künstelei und 
Geziertheit verfällt, zeigte sich auch in der Gymnastik durch die Sucht
        

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