Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-724501
Wie in der geistigen Ausbildung, zeigte sich aber auch in der physischen 
Erziehung ein Unterschied bei den verschiedenen Stämmen Griechenlands. 
Während in den dorischen Staaten, und hier besonders in Sparta, die 
physische Erziehung die Jugend durch Abhärtung des Körpers gegen 
Schnierz und durch Ertragung von Beschwerden für ihre Bestimmung als 
kampfgerüstete Bürger vorbereitete, ward in den ionischen Staaten, vor- 
zugsweise aber in Athen, eine gleichmäfsig harmonische Ausbildung des 
Leibes und der Seele angestrebt, und hier trat in der körperlichen Er- 
ziehung vorzugsweise das Streben nach Ebenmafs und Gefügigkeit (signif- 
pia und sziagnoozia), nach Anstand und Grazie in den Vordergrund. 
Die Anfänge der Gymnastik und Agonistik wurzelten schon in der 
mythischen Zeit, wenn auch die' einzelnen Uebungcn noch damals der 
planmäfsigen Anordnung und der Gesetze entbehrten, welche die späteren 
Zeiten der Gymnastik bezeichnen. Die Feste der Götter und das Andenken 
an Heroön wurden bereits im hohen Alterthum durch festliche Spiele ver- 
herrlicht, bei denen auf körperliche Gewandtheit und Leibeskraft berechnete 
Wettkämpfe eine bevorzugte Stelle einnahmen. In diesen der mythischen 
Zeit angehörenden Wettkämpfen lagen die Anfänge der späteren schul- 
gerechten Turnkunst, deren Ausbildung durch die lykurgische, sowie durch 
die solonische Gesetzgebung wesentlich gefördert wurde. 
Sind wir auch mit den für die einzelnen gymnastischen Uebungen 
bestimmten Räumlichkeiten durch die im g25 angestellten Betrachtungen 
bereits vertraut geworden, so nöthigt uns doch die schwierige und noch 
keinesweges zur Genüge gelöste Frage über die Scheidung des Gymnasien 
von der Palästra, noch einmal auf die bauliche Anlage mit wenigen WVorten 
zurückzukommen. Von jenen in der heroischen Zeit innerhalb oder bei den 
Städten gelegenen Uebungsplätzen, auf welchen eineTrennung der Räumlich- 
keit nach den in ihnen ausgeführtenWettkämpfen noch nicht stattfand, kann 
hier natürlich nicht die Rede sein. I)afs aber in der historischen Zeit, als 
bereits die Ausbildung der Gymnastik gesonderte Räumlichkeiten für die 
einzelnen Gattungen der Leibesübungen erforderte, eine Trennung der Pa- 
lästra von dem Gymnasion eingetreten war, kann wohl mit Bestimmtheit 
angenommen Werden, wenn auch die schriftlichen Zeugnisse des Alterthums 
sich durchaus darin widersprechen. So bezeichnet Herodot den Dromos 
und die Palästra mit dem gemeinsamen Namen yvyvofmce, während Vitruv 
Gymnasien und Palästra unter dem Ausdruck Palästra zusammenfafst. Die 
Palästra war aber jedesfalls in früherer Zeit eine besondere Baulichkeit, 
mochte dieselbe mit dem Gymnasien verbunden sein oder abgesondert von 
demselben liegen. Erst zur Kaiserzeit scheint der Unterschied zwischen
        

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