Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-724390
Tonkunst. 
Saiteninstrumente : 
Kithara, 
Phorminx, Trigc 
B011. 
233 
thara aber ist für uns gerade ein Hauptmoment für die Annahme, dafs 
die Erfindung derselben einer späteren Zeit angehört haben mufs, als die 
der Lyra, deren Zusammensetzung aus der Sehildkrötenschale und den 
Ziegenhörnern auf einen primitiven Standpunkt der Technik hinweist. 
Thrakien scheint die Heimath der Lyra gewesen zu sein"; dort sollen 
Orpheus, Musaios und Thamyris als Meister auf derselben aufgetreten 
sein, und von dort kam dieselbe wohl mit dem orgiastischen Cult des 
Dionysos, bei welchem, wie aus den Monumcnten hervorgeht, die Lyra 
vorzugsweise gebraucht wurde, nach Griechenland. Hier aber bildete die 
Erlernung des Spiels der Lyra in der Erziehung der Jugend den Aus- 
gangspunkt fiir die musikalische Ausbildung; ihr wurde im Alltags- 
leben, namentlich bei den heiteren Gelagen, neben der Flöte der Vorzug 
vor allen anderen Saiteninstrumenten gegeben. Üie Kithara hingegen, 
welche aus Asien über Ionien nach Griechenland gekommen zu sein scheint, 
kam bei den musikalischen Wettkämpfen, bei Opfern und Pompen, wie 
unter anderen Beispielen aus dem panathcnäisehen Festzuge am Fries des 
Parthenon ersichtlich ist, in Anwendung, und stets erschienen die Cither- 
spielenden bei solchen festlichen Gelegenheiten in der der Würde der Hand- 
lung angemessenen Tracht der Kitharöden, d. h. bekränzt und in langen,' 
faltenreichen Festgewändern.  Dafs bei den Griechen ein wesentlicher 
Unterschied zwischen dem Saiteninstrumente, welches sie mit dem Namen 
Phorminx bezeichneten, und der Kithara bestanden habe, scheint nicht 
denkbar, da im Homer ganz gleichbedeutend die Redensarten (pögytyyt 
xsäagifsrv und auf der xiäagn; rpognßszv gebraucht werden. Die von 
Hesychius aufgestellte Erklärung der Phorminx als einer um die Schul- 
tern mittelst eines Bandes getragenen Kitharis (cpdgytyf.  zofg 1551.01; 
qrsgonävq xiöagag), mufs jedoch als eine durchaus mifsglückte bezeichnet 
werden. Wenn in früherer Zeit aber ein Unterschied zwischen beiden 
Instrumenten bestand, so konnte derselbe nur in der Bauart oder in der 
Besaitung, nicht aber in dem wohl bei allen Formen der Kithara ge- 
bräuchlichen Tragriemen zu suchen sein. 
Als dritte Gattung der Saitenspielc bezeichnen wir eine durch mo- 
numentale Abbildungen verbürgte Form von Instrumenten, Wßlßhß in 
ihrer Gestalt unserer Harfe ähnlich ist, und von den Archäologen ge- 
wöhnlich als Trigonon (rgiywvov) bezeichnet wird. Wie schon de? Name 
andeutet, war die Form dieses aus Syrien oder Phrygien stammenden 
Saitenspiels eine dreieckige. Gerechtfertigt erscheint es mithin, wenn wir 
jener dreieckigen Harfe, auf welcher auf dem unter Fig. 239 abgebildeten 
Vasenbilde eine der Musen spielt, sowie dem unter Fig. 241f dargestellten,
        

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