Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-724376
f abgebildeten Saiteninstrumentes sein.  Der Lyra nahe verwandt in Be- 
zug auf die Construction ist das unter F ig. 238 g dargestellte Instrument. 
Von dem aus einer kleinen Sehildkrötenschale gebildeten Schallkasten gehen 
in divergirender Richtung zwei gerade hölzerne Arme in die Höhe, welche 
sich an ihren oberen Enden, da wo das Joch sie verbindet, gegeneinander 
krümmen. Da wir diese eigenthümliob gestaltete Leier auf Vasenbildern 
vorzugsweise in der Hand des Alkaios oder der Sappho erblicken, so 
schliefsen wir uns gern der Ansicht der Archäologen an, welche diese Form 
der Leier mit dem Namen Barbiton (ßdgßtzov, ßagüptrzov) bezeichnet 
wissen wollen, jenes tieftönenden Instrumentes, welches Terpander aus Ly- 
dien in Griechenland eingeführt haben soll. 
Zu der Gattung der Lyren mag vielleicht auch die Pektis (napezig) 
und Magadis (payoidtg) gehört haben, welche beide gleichfalls aus Ly- 
dien stammten. Beide Bezeichnungen werden aber von den griechischen 
Schriftstellern bald für ein und dasselbe Instrument, bald für verschiedene 
Instrumente angewandt. In Griechenland soll sich Sappho der Pektis 
zuerst bedient haben und dieselbe später in Sicilien namentlich bei My- 
sterien eingeführt worden sein. Von der Magadis heifst es aber, dafs sie 
eines der vollkommeusten Saitenspiele gewesen sei. Zwei volle Octaven 
soll dieselbe umfafst haben, indem die linke Hand die tieferen, die rechte 
aber die denselben im Achtklange entsprechenden höheren Saiten spielte. 
Noch vollkommener war das Epigoneion (ämyövsiov), welches seinen 
Namen nach seinem Erfinder Epigonos trug. Dasselbe war mit vierzig 
wahrscheinlich doppelt laufenden Saiten überspannt, hatte mithin gerade 
die doppelte Zahl von Saiten als die Magadis. Magadis und Epigoneion 
wurden mit beiden Händen gespielt, der Gebrauch des Plektron fand 
somit nicht statt. Keines dieser Instrumente läfst sich jedoch auf Bild- 
werken nachweisen. Jedesfalls gehört aber jene mächtige, mit fünfzehn 
Saiten bespannte Lyra, welche wir auf einem Marmorrelief von einem 
Grabe zu Krissa (v. Stackelberg, Gräber der Griechen. Taf. II) vor einem 
sitzenden Agonotheten aufgestellt erblicken, der Gattung jener eben ge- 
dachten gröfseren Saitenspiele an. 
Die zweite Classe der Saiteninstrumente, welche in Form und Material 
von der Lyra wesentlich verschieden ist, bezeichnen wir mit dem Namen 
Klthafa (WÜÜQH), das vom Apollo erfundene und als solches dem Kitha- 
röden xaf äfoxrjv zukommende Instrument. Statt des von der Schild- 
krötenschale gebildeten Schallkastens und der Arme 11115 HOIZ oder mas- 
siven Holzstäben, wie dieselben bei der Lyra angewendet wurden, tritt 
bei der Kithara eine durchaus andere Bauart des Schallkastens ein. Aus
        

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