Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722119
Bedeutung des 
Tempels. 
Vorstufen des Tempelbaus. 
dem Gotte ein festes Haus bereitet, als Zeugnifs seiner schützenden Gegen- 
wart, und ein Mittelpunkt geschaITen, um welchen die Uebung mannig- 
facher Künste sich gruppirt; an dem Bau und der Ausschmücltung des 
Tempels hat sich die Architektur zur schönen Kunst entwickelt; an dem 
Bilde des darin wohnenden Gottes, sowie an dem auf seine Thaten und 
Geschichte bezüglichen bildlichen Schmuck desselben hat die Sculptur sich 
allmälig zu ihrer Vollendung emporgearbeitet; und wie in den geweihten 
Räumen des Tempels selbst die Weihe versöhnenden Opfers vollzogen 
wurde, so gestaltete er sich nach aufsen hin als Mittelpunkt festlicher 
und würdiger Vorgänge, an denen das Leben der Griechen so reich war 
und von denen dasselbe ein so künstlerisch schönes und wohlthuendes 
Gepräge erhielt. Vor den Tempeln erklangen die Gesänge des gottbegei- 
sterten Dichters; vor ihnen bewegten sich in gemessener Grazie die Fest- 
züge der griechischen Jungfrauen und zeigte sich die kräftige Schönheit 
der in stetem Wettstreit geübten Jünglinge; in ihrem Schatten wandelten 
die Weisen und Führer des Volkes, und um sie schaarte sich der weite 
Kreis der freien und ehrbaren Bürger, um sich aller dieser Erscheinungen 
eines schönen, durch Kunst und Sitte veredelten Lebens zu erfreuen und 
sich des hohen Gefühles, Griechen zu sein, mit gerechtem Stolze bewufst 
zu werden. So wurde der Tempel zum Sammelpunkte alles Edlen um] 
Schönen, das wir noch jetzt als den Rubin griechischer Bildung und 
griechischer Gesittung betrachten, und ihm wendet sich daher auch zuerst 
diese Betrachtung zu, die es sich zum Ziel gestellt hat, Geist und Wesen 
des classischen Alterthums wenigstens von der Seite der Anschauung zu 
lebendigerem und frischerem Bewufstsein zu bringen. 
2. Nicht zu allen Zeiten aber bestanden bei den Griechen solche 
Tempel, an welche sich der Cultus und die Verehrung bestimmter Götter 
anknüpfen konnte. Ganz abgesehen von den frühesten Perioden der grie- 
chischen Geschichte, während Welcher die Götter noch als namenlose und 
unpersönlich gefafste Gewalten verehrt wurden, wie dies von den Pelas- 
gern geschah, kam es auch in späteren Zeiten noch häufig vor, dals die 
Gottheit in einem bestimmten Naturproduct gegenwärtig gedacht wurde. 
So wurden Bäume und Quellen, Höhlen und Berge, auch ohne dafs ihnen 
daselbst durch menschliche Kunst eine Wohnung geschaffen worden wäre, 
als Sitze der Götter betrachtet und ihnen eine besondere Verehrung be- 
wiesen. S0 kommt es vor, dafs gewissen Bäumen, die man als Male 
und Sitze gewisser Götter ansah, Opfer und Spenden dargebraeht, sie 
Selbäl mit Binden geschmückt, oder Altäre vor ihnen errichtet wurden.-
        

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