Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-724307
Knaben und Mädchen unter der weiblichen Pflege gemeinsam auf; von dem 
Zeitpunkte ab trennte sich aber die Erziehung beider Geschlechter; für 
den Knaben begann die eigentliche Zeit der Erziehung (neudeta) aufser- 
halb des Hauses, während das Mädchen im Hause unter weiblicher Obhut 
eine nach unseren Begriffen freilich nur höchst beschränkte Erziehung genols. 
Aus der Schaar der Haussklaven wurde ein älterer, zuverlässiger Mann 
als Begleiter (natöaywyög) Iiir den Knaben auserlesen. Keinesweges aber 
wurden an den Pädagogen die Anforderungen einer höheren Bildung, 
die wir heut von einem Erzieher verlangen, gestellt; derselbe nahm viel- 
mehr nur die Stellung eines treuen Dieners ein, welcher seinen Schutz- 
befohlenen auf dessen Ausgängen, namentlich auf dem Wege nach und 
aus der Schule, zu begleiten hatte. Nächst dem hatte aber der Pädagoge 
den Knaben in gewissen Regeln des Anstandes (süxoojuia) zu unterweisen. 
Zu diesen gehörte, dafs derselbe auf der Strafse gesenkten Kopfes, zum 
Ausdruck der Bescheidenheit, cinherzugehen, älteren Personen beim Begeg- 
nen auszuweichen und in ihrer Gegenwart Schweigen zu beobachten hatte. 
Hierher gehörten" ferner die Regeln des sehicklichen Benehmens bei Tische, 
des Tragens der Gewänder u. s. w: Solche Pädagogen, welche gewöhnlich 
bis zum sechszehnten Jahre die Begleiter der männlichen Jugend bildeten, 
erblicken wir sehr häufig auf Vasenbildern, wo ihre vollständige Bekleidung 
mit Chiton, Mantel und hohen Schnürstiefeln, sowie der Kriickstock und 
eine ehrwürdige Bart- und Ilaartracht dieselben vor ihren nach athenischer 
Sitte leicht bekleideten Zöglingen kennzeichnen. Unter den Werken der 
Plastik möchten wir aber vorzugsweise die Aufmerksamkeit auf die der 
Niobidengruppe eingereihte Figur des Pädagogen lenken. 
Der Schulunterricht wurde in Athen aufscrhalb des Hauses von Privat- 
lehrern ertheilt, da die Schule als Staatsinstitut im griechischen Alterthume 
nicht vorkommt, eine Ueberwachuilg des Unterrichts, sowie des Schul- 
bcsuches von Staatswegeil mithin nicht stattfand und die staatliche Beauf- 
sichtigung dieser Anstalten sich nur auf die Sittlichkeit, nicht aber auf 
die wvissenschaftliehe Befähigung der Lehrer erstreckte. Grammatik (ygciy- 
nara), Musik (Movmmj) und Gymnastik (yvuvaottxoj), welchen Aristoteles 
noch die Zeichenkunst (ygaqnnxrj), als nützlich zum besseren Verständnifs 
der Leistungen auf dem Gebiete der Kunst, hinzufügt, das waren die 
Hauptbildungsmittel für die Jugend in der Schule und in den Gymnasien.  
Unter dem Ausdruck ygdpnaza wurde vorzüglich der Unterricht im Lesen, 
Schreiben und Rechnen begriffen. Die Methode des Schreibunterrichts 
war nun die, dal's der Lehrer die Buchstaben vorschrieh und dieselben 
von den Schülern auf ihren Schreibtafeln nachmalen liefs, wobei der
        

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