Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-724280
mehr zu fesseln, als es die Gattin im Stande war. Der allgemeine Hang 
zur Sinnlichkeit bei den Griechen leistete diesem Verhältnifs einen bedeu- 
tenden Vorschub, und die Gesetze legten demselben keinerlei Beschränkung 
auf; daher scheute die Hetäre in ihrem Treiben nicht das Licht des Tages. 
Ungestört konnte sie, unter der Maske uneigennütziger Liebe ihre niedrige 
Gewinnsucht verbergend, sich in das Vertrauen der Männer einschleichen. 
Nur das Haus des verheiratheten Mannes durfte sie nicht mit ihrem Hauche 
entweihen. Lassen wir jedoch über diese Zustände einen Schleier fallen, 
da die Geschichte aller civilisirten Völker an ähnlichen Erscheinungen nur 
allzu reich ist. Der Einflufs, wie ihn eine Aspasia auf die Handlungen 
eines der gröfsten Staatsmänner der alten Welt freilich günstig ausgeübt 
hat, wiederholt sich leider in nachtheiliger Weise in der chronique scan- 
daleuse aller Zeiten. 
50. Ehe wir die Räume des Hauses verlassen und uns zum Leben 
in der Oeffentlichkeit wenden, wollen wir noch einen Blick auf jenen Theil 
des häuslichen Lebens werfen, wo die Frau als Mutter die körperliche 
Pflege des Kindes überwacht, wo das Kind noch das elterliche Haus zum 
Tummelplatz seiner heiteren Jugendspiele macht. Beginnen wir mit den 
ersten Lebenstagen des Kindes. Nach dem ersten Bade wurde das neu- 
geborene Kind in WVindeln und Tücher (oneigyava) gewickelt, eine Sitte, 
welche freilich das spartaniscbe Abhärtungssystem verschmühte. Am fünften 
oder siebenten Tage erhielt der neue Ankömmling dadurch die läuternde 
Weihe, dafs die Hebeamme mit demselben auf dem Arme mehrere Male 
den brennenden Hausaltar umschritt, weshalb dieser Tag als dgopidnqvaov 
vinag und die Handlung selbst als das Umlaufsfest, äpgudgöma, bezeichnet 
wurde. Ein Festmahl versammelte an diesem Tage die Hausgenossen in 
der Wohnung, deren Thiiren bei der Geburt eines Knaben durch einen 
Olivenkranz, bei der eines Mädchens mit Wolle geschmückt zu werden 
pflegten. Dieser Feier folgte am zehnten Tage das Fest der Namens- 
ertheilung, die dsxoäro], durch welches zugleich die Anerkennung des Kindes 
von Seiten des Vaters als eheliches festgestellt wurde. Der Name, über 
welchen die Eltern sich zu einigen pflegten, richtete sich gewöhnlich nach 
dem der Grofseltern, oder es wurde derselbe von einer Gottheit oder 
deren Attributen entlehnt, dessen Schutz dadurch das Kind besonders an- 
ernpfohlen wurde. Ein Opfer, vorzugsweise der Geburtsgöttin Here Ilithyia 
dargebraeht, und ein Mahl, bei welchem die Verwandten und Freunde 
des Hauses erschienen und dem Neugeborenen Spielsachen aus Metall und 
Thon, der Mutter aber gemalte Gefafse darbrachten, schlol's sich an die
        

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