Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722101
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Bedeutung des Tempels. 
zuführen und uns alle die von jenem gemeinsamen Geiste belebten Eigen- 
thümlichkeiten desselben sichtbar vor Augen zu stellen. 
Denn welche Gebiete des griechischen Lebens wir auch ins Auge 
fassen, den öffentlichen Gottesdienst oder den bürgerlichen Verkehr, die 
gemeinsamen Feste und Spiele oder das stillere WValten in Haus und Fa-G 
milie  für alle hat der erfinderische Sinn der Griechen Bauwerke ge- 
schalfen, die, indem sie durch die Rücksicht auf die verschiedenen Be- 
dürfnisse dieser Lebenskreise bedingt worden sind, uns nun auch die 
letzteren zu lebendigerer Anschauung bringen können, als dies die über- 
dies meist vereinzelten schriftlichen Zeugnisse zu thun im Stande sind. 
Vielmehr wird, was diese der verständigen Forschung darbieten, ersti 
durch die genaue Kenntnifs der Denkmäler selbst ergänzt und zu vollem 
Leben gebracht werden können. 
Dies in möglichst vollständiger und alle Lebenskreise umfassender 
Weise zu thun ist die Aufgabe der vbaulichen Alterthümer der Griechen e, 
mit denen wir die nachfolgende Schilderung des antiken Lebens beginnen. 
Es handelt sich darin nicht um die ästhetische Würdigung der Formen, 
noch um die geschichtliche Entwickelung derselben, welche einer anderen 
Wissenschaft angehören. Es handelt sich vielmehr lediglich um den 
Nachweis, wie die Griechen den verschiedenen Anforderungen der Gottes- 
verehrung, des öffentlichen und des Privatlebens in ihren Bauten ent- 
gegengekomrnen sind. Aus diesem Grunde kann auch die Eintheilung 
des reichen Stoffes keine andere, als eine rein sachliche sein, und so be- 
ginnen wir denn, im Einklang mit den griechischen Anschauungen selbst, 
unsere Darstellung mit den Tempeln, denen sich sodann die verschiedenen 
Gattungen der Profangebiiude anzuschließen haben. Denn von den gött- 
lichen Dingen zu beginnen war die Sitte der Griechen, auch wo es sich 
um Werke des Lebens handelte, und von allen ihren Schöpfungen sind 
keine so geeignet uns diese Verbindung des Göttlichen und irdischen zu 
veranschaulichen, als diejenigen, welche dem Gebiete der schönen Künste 
angehören. 
Die Poesie beginnt gleichzeitig mit der Erzählung menschlicher Thaten 
und dem Preise der unsterblichen Götter. Die bildende Kunst entwickelt 
sich an der Ausschmückung von allerlei Geräth des gewöhnlichen Lebens, 
und gleichzeitig sucht sie das Bild der Gottheit in bestimmte Formen zu 
bringen. Und so dient auch die Baukunst dem materiellen Bedürfnifs, 
indem sie dem Menschen Schutz und Obdach schaiTt, und nicht minder 
kommt sie dem idealen Bediirfnifs des frommen Gemüthes entgegen, indem 
sie den Tempel als schützende Stätte des Götterbildes errichtet. So ward
        

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