Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-724219
Das Frauenleben. 
Die Spiele. 
Die Hochzeit: 
215 
Darstellungen Scenen aus dem Alltagsleben entdecken, wenn auch nach 
griechischer Sitte oftmals Aphrodite mit den ihr dienstbarcn Eroten und 
Chariten die Stelle stcrblicher Wesen hier einnehmen. Ingleichcn verweisen 
wir in Bezug auf Musik, Spiel und Tanz auf die  52 ff. Hier wollen wir 
nur noch erwähnen, dafs das im Tanzschritt ausgeführte Ballspiel, als deren 
Repräsentantin schon Nausikaa im Homer erscheint, von Mädchen vielfach 
als Mittel zur Entwickelung einer graziösen Haltung geübt wurde. Merk- 
würdig ist es nur, dal's überall, wo auf Vasenbildern ballspielende Frauen 
dargestellt sind, diese fast immer in sitzender Stellung erscheinen.  Als 
ein dem weiblichen Geschlecht wohl aussehliefslieh zukommendes Spiel 
haben wir die Strickschaukel (aiaiga) zu betrachten. Zu Athen wurde 
sogar zum Andenken an das Schicksal der Erigone, der Tochter des Ika- 
rios, ein Versöhnungsfest gefeiert, an welchem die Jungfrauen sich der 
Freude des Schaukelns überliefsen. Auch von diesem Spiele liefern die 
Vasenbilder eine Reihe von Darstellungen, doch möchten wir hierbei gern 
jede symbolisirende Erklärung, wie solche in der Neuzeit versucht worden 
ist, streichen, da wir, selbst wenn auch Eros als Schwinger der Schaukel 
dargestellt ist, in diesen Bildern nur jene Vermischung des rein Mensch- 
liehen mit dem Göttlichen zu erkennen vermögen, welche die griechische 
Kunst charakterisirt (vgl. Panofka, Griechinnen und Griechen nach Antiken. 
S. 6, und dessen vBilder antiken Lebens. Taf. XVIlI, 2a). 
49. Kehren wir jedoch zu der ernsteren Seite des Frauenlebens 
zurück, nämlich zu dem Zeitpunkte, wo die Jungfrau das elterliche Haus 
verliefs, um als rechtmäßige Frau (yatosroj, homer. xovgadioy dloxog) 
einem eigenen Haushalte vorzustehen. Im Allgemeinen ist anzunehmen, 
dal's bei der damals herrschenden Ansicht über Ehe nur in seltenen Fällen 
wahre Neigung den Bund der Ehe schlofs, dal's vielmehr die Rücksichten 
auf eine legitime Fortpflanzung des Geschlechts (noudonoieiaävu yuqefwsl 
itir den Mann der Grund zur Verheirathung wurde. Der Dorismus stellte 
diesen Grundsatz in seinen schroffen Institutionen unverhiillt hin und däS 
übrige Griechenthum hatte ihn adoptirt, wenn auch durch ein fßinßfßs 
Gefühl für eine tiefere sittliche Bedeutung der Ehe, gemildert. Bei der 
Abgeschlossenheit des Lebens der attischen Jungfrau konnten weniger der 
innere Werth oder die körperlichen Reize eines Mädchens auf die Wahl 
des Bewerbers bestimmend einwirken, als vielmehr die Frage über die 
Ebenbürtigkeit und die Vermögensverhältnisse der Eltern der Jungfrau. 
Denn nur eine attische Bürgerstoehter (cgdmf) durfte ein attischcr Bürger 
(130169) freien, nur die aus einer solchen Ehe stammenden Kinder waren
        

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