Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-724174
nens, wie dieselbe in allen jenen Gegenden, in welchen das nordische 
Spinnrad noch nicht die antike Sitte verdrängt hat, heutzutage noch ge- 
Fig 232 bräuchlich ist. Schon bei Homer erblicken wir 
 den Spinnrocken (vilaxoirq) mit der dazu gehöri- 
ä gen Spindel (ärgoexzog, xlwozüg) II] den Händen 
 d, der edlen Frauen. So erhielt Helcna als Geschenk 
(A [A ß 17'" ß einen silbernen Korb zur Aufbewahrung des 
a!  V Garns mit einer goldenen Spindel. Der Spinn- 
rocken mit einem an der Spitze befestigten 
 Wollen- oder Flachsballen wurde von den 
   Frauen mit der linken Hand oder unter dem 
Irre L8 linken Arm gehalten, während der angefeuch- 
 tete Daumen und Zeigefinger der rechten Hand 
den Faden, an dessen Ende die metallene Spindel hing, durch Drehen aus- 
spannen. Das Gespinnst aber wurde auf einen Knäuel gewickelt und so- 
dann am Webestuhl verarbeitet. 
Dem Spinnen nahe verwandt ist die Weberei (örpauztmj) und Stickerei 
(rronuluxrj). Aber nur für letzteren Kunstbetrieb hat uns die antike Kunst 
Beispiele aufbewahrt. Stickcrinncil mit dem Stickrahmcn auf dem Schoofse 
erscheinen mehrfach auf Vasenbildern. Dafs aber die griechischen Frauen 
in der Kunst des Stickens Weit vorgeschritten waren, dafür legen die mit 
Figuren und geschmackvollen Verzierungen gestickten Bordüren griechischer 
 Männer- und Frauengewänder, wie wir solche vorzüg- 
Flg' 23?" lich auf Vasenbildern in reicher Auswahl finden, den 
 besten Beweis ab. Das unter Fig. 233 mitgetheilte 
 f Vasenbilda eine Stiekerin auf einem Stuhle mit Tapis- 
ä W 4 Serie-Arbeit am Stickrahmen, den sie auf den Knieen 
{Ä x y hält, beschäftigt, mag als Beleg für unsere Worte die- 
 .  " neu.  Was nun die Weberei betrifft, so wissen wir 
 .1 schon aus dem Homer, dafs nächst dem Spinnen das 
 Geschäft des Webens zu den Hauptbeschäftigungen der 
Frauen gehörte. Schon in jener Zeit mufs diewebßlillllst 
auf einer hohen Stufe gestanden haben, denn wir können nicht zweifeln, 
dafs in Penelopds Kunstweberei zugleich der Standpunkt der damaligen 
Weberei überhaupt charakterisirt worden ist. Auch in der historischen Zeit 
verblieb das Weben -und die Anfertigung der männlichen und weiblichen 
Kleidungsstücke für den eigenen Haushalt nicht nur bei der weiblichen 
Hausgenossenschaft; in einigen griechischen Staaten waren sogar Corpo- 
rationen von Frauen gesetzlich gebunden, die Festgewänder für die 
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