Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-724161
zutreten, doch innige Zuneigung den Mann an den heimischen Heerd fes- 
selte; im Allgemeinen aber galt der von den alten Philosophen, sowie in 
der Gesetzgebung mehrfach ausgesprochene Grundsatz, dafs das Weib als 
der von Natur schwächere Theil nicht mit dem Manne als gleichberechtigt 
angesehen werden könne, in bürgerlicher Stellung mithin als unmündig 
zu betrachten sei. Wir hatten freilich bei dieser kurzen Schilderung der 
Stellung der griechischen Frauen besonders den durch die Züchtigkeit 
seiner Jungfrauen und Frauen bekannten ionisch-attischen Stamm im 
Auge. Wenn aber der Dorismus, wie wir ihn namentlich in der sparta- 
nischen Verfassung kennen lernen, im Gegensatz zu der Zurückgezogenheit 
des attischen Fraucnlebens, den Jungfrauen volle Freiheit liefs, sich ölfent- 
lich zu zeigen und durch Leibesübungen ihren Körper zu stählen, so 
entsprang diese Freiheit weniger aus dem Gesichtspunkte einer höheren 
Gleichstellung und Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts gegenüber 
dem männlichen, als vielmehr aus der Absicht, den weiblichen Körper liir 
die Erzeugung einer gesunden Generation zu kräftigen. 
 Wie schon oben gesagt, war nächst der Sorge für die leibliche 
Nahrung das Spinnen und Weben die Hauptbeschäftigung für die weib- 
lichen Hausbewohner. Schon bei Homer sehen wir selbst die Frauen der 
Edlen diesen häuslichen Geschäften sich unterziehen, und diese Sitte, im 
Hause selbst die nothwendigen Kleidungstücke von den Frauen anfertigen 
zu lassen, erhielt sich bis in die späteren Zeiten, wenn auch hier und da 
der gesteigerte Verbrauch und Luxus einerseits, sowie die Entartung der 
Frauen andererseits die Entstehung besonderer WVerkstätten und Fabrikorte 
für diesen Kunstbetrieb nothwendig machte. Auch die antike Kunst hat 
diese häuslichen Verrichtungen vielfach zum Vorwurf ihrer Darstellung ge- 
macht. Die attische Athene Ergane und Aphrodite Urania, die argivisehe 
Here, die Geburtsgöttin Ilithyia, Persephone und Artemis, sie alle schmückte 
die antike Kunst als Schicksalsgöttinnen, Welche den Lebensfaden der 
Sterblichen spannen, und zugleich als Beschützerinnen weiblicher WVerk- 
thätigkeit mit dem Attribute häuslichen Wirkens und Schalfens, mit dem 
Spinnrocken. Sind nun auch nur wenige Monumente mit der Darstellung 
dieser spinnenden Gottheiten auf uns gekommen, so nehmen wir doch gern 
dafür Bilder sterblicher Spinnerinnen, mit welchen Gefäfsmaler die oben 
erwähnten zierlichen, vorzugsweise für den Gebrauch von Frauen bestimmten 
Gefäfse zierten. Hier eines derselben. Wir erblicken (Fig. 232) eine weib- 
liche Figur, welche aus dem am Boden stehenden; mit Wolle gefüllten 
Kalathos den Rohstolf auf den Spinnroeken wickelt, von dem Sodann 
das Gespinnst mittelst der Spindel abgesponnen wurde, eine Art des Spin-
        

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