Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-724147
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Das Frauenleben. 
48. Von der Lage, Welche die Gynaikonitis in der Anordnung der 
häuslichen Räumlichkeiten einnahm, ist bereits S. 83 gesprochen worden. 
Hier mag es nun vergönnt sein, einen Blick auf das Leben und Treiben 
der Bewohnerinnen dieser Gemächer zu werfen. Den Frauen und Jung- 
frauen, den Kindern, so lange sie noch der weiblichen Pflege bedurften, 
sowie den Sklavinnen waren die Räume der Gynaikonitis als Aufenthalt 
angewiesen. In ihr concentrirte sich das antike Frauen- und Familien- 
leben, soweit dieser Ausdruck überhaupt auf das griechische Alterthum 
anwendbar ist. Ein Ueberschreiten dieser räumlich enggezogenen Grenzen 
gab es nicht, da Gesetz und Sitte achtbaren Frauen nur in wenigen Fällen 
ein Heraustreten inldie Oelfentlichkeit gestattete. Ueberhaupt dürfen wir 
nicht unsere christliche Anschanungsweise über Ehe und Familie auf die 
Verhältnisse des alten Griechenlands übertragen wollen. Die Ausbildung 
des inneren Menschen auf den Grundlagen des religiösen Elements bildet 
im christlichen Leben das Hauptmoment in der Erziehung der Jungfrau. 
Die durch eine solche Erziehung gewonnenen Resultate soll die Jungfrau 
mit in die Ehe nehmen, um als Gattin und Mutter gleich segensreich die 
wiirdevolle Stellung einzunehmen, zu welcher das Weib überhaupt in 
der Schöpfung berufen ist. Aber ebensowenig sind wir berechtigt, das 
Leben in der Gynaikonitis mit dem eines orientalischen Harems zu pa- 
rallelisiren. Mag auch der Harem des begüterten Orientalen, denn nur 
ein solcher kann von der Polygamie Gebrauch machen, in seiner Ab- 
geschlossenheit in mancher Hinsicht an das Leben der Frauen in der 
classischen Zeit der Blüthe Griechenlands erinnern, so hat doch die grie- 
chische Vorzeit den Frauen niemals eine so entwürdigende Stellung an- 
gewiesen, wie dieselben unter den Orientalen einnehmen. Gesetzgebung 
und Sitte überwachten gleich streng die Reinheit der Stammgenossenschaft 
und der Familie, und wenn auch dem Concubinat, sowie dem Verkehr 
mit Hetären selbst von Staatswegen Vorschub geleistet wurde und der- 
artige Verhältnisse nicht wenig zur Lockerung der Familienbanden bei- 
trugen, so wurde doch des Hauses Ehre gegen Einmischung solcher un- 
lauteren Elemente gewahrt. Wir sprechen natürlich hier, wie überall, wo 
es auf eine Schilderung von Sitten und Gebräuchen ankommt, nur von 
dem Leben der höheren Classen der Gesellschaft, während das Leben der 
ärmeren Schichten der Bevölkerung, welches nur ein Ringen nach den 
nothwendigsten Lebensbediirfnissen bezeichnet, zu allen Zeiten in seiner 
äufseren Erscheinung dasselbe geblieben ist. 
Von frühester Kindheit an auf die Frauengemächer beschränkt, welche 
sich ihnen nur zu Zeiten öffneten, wuchs das Mädchen bei einem höchst.
        

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