Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-724115
Die Tracht. 
Schmucksachen. 
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Auf diesem Gebiete entwickelte aber! das Alterthum eine Technik, welche 
die berühmtesten Steinschneider der neueren Zeit, trotz ihrer gewifs höchst 
beachtenswerthen Leistungen, doch nur annähernd erreicht haben. 
Was zunächst die Steine betriift, deren sich die griechischen Stein- 
schneider bedienten, so wurden einmal solche vorzugsweise ausgewählt, 
deren Gefüge nicht zu sehr dem Eindringen des Bohrers Widerstand leistete 
und die bei der Behandlung nicht aussprangen; sodann aber wurde solchen 
Steinarteu eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt, welche entweder von 
reinem Wasser waren, oder durch verschiedenfarbige Flecke, Adern oder 
Lagen übereinander (zonae) sich besonders für buntfarbige Darstellungen 
ganzer Figuren oder einzelner Körpertheile und Gewandstücke eigneten. Am 
häufigsten verwendet wurden der Karniol, Sarder, Chalecdon, Achat, OnyX, 
Jaspis und I-Ieliotrop, seltener der Nephrit, T urkis, Bergkrystall, der silber- 
glänzende llrIagnet-Eisenstein, Amethyst, grüne Quarz und edle Serpentin. 
Von den eigentlichen Edelsteinen jedoch wurden nur wenige in der Sphra- 
gistik benutzt, wie der Rubin, der ächte Sapphir, der Smaragd, der grünliche 
Beryll, der orientalische Feldspath-Opal und der bläuliche ächte Aquamarin. 
Auch in Topas, Hyacinth, in dem syrischen und indischen Granat und 
endlich in Praser, der nach der Zeit Alexander's nach Griechenland kam, 
pflegten die Steinsehneider zu arbeiten. Die Zartheit nun, mit welcher diese 
Arbeiten ausgeführt sind, die Sauberkeit der Politur, die ungcmeine Tiefe, 
bis zu welcher selbst die kleinsten Darstellungen häufig eingeschnitten er- 
scheinen, berechtigen zu dem Schlufs, dafs die Alten bereits alle jene 
Werkzeuge, das Rad, die Demantspitze, den Demantstaub, ja sogar Ver- 
gröfserungsgläser, deren Erfindung die Neuzeit sich zuschreibt, gekannt 
haben müssen. Die Darstellung wurde entweder vertieft eingeschnitten, in 
welchem Falle diese Steine, in Ringe gefafst, zum Siegeln benutzt wurden, 
oder aber erhaben aus jenen oben erwähnten, aus mehreren verschieden- 
farbigen Lagen gebildeten Steinen, dem Achat-Onyx und Sardonyx, heraus- 
gearbeitet. Jene werden Gemmen, oizldylvrpoe, gemmae scuäptae, exsculjotae 
(Intaglio), diese älxrvna, gem-mae caelatae, oder mit einem neueren Namen 
Cameen genannt. Letztere, nur für den Schmuck bestimmt, konnten bei 
kleineren Dimensionen in Fingerringe gefafst werden, während die gröfseren 
zur Verzierung von Agralfen, Gürteln, Halsbändern, WalTenstiicken ange- 
wendet, odcr auch in die Aufsenflächen von Vasen und Trinkhechern aus 
edlem Metall eingelassen wurden. Die gröfste Blüthe der Steinschneide- 
kunst fiel in die Zeit Alexander's des Grofsen, der, wie er sich nur vom 
Lysippos in Stein gehauen und vom Apelles in Gemälden dargestellt sehen 
wollte, so auch sein Bildnifs nur vom Pyrgoteles in Edelstein schneiden
        

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