Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-724047
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Die Tracht. 
Die Fufsbekleidung. 
griechischen Bildwcrken erblicken wir daher sowohl bei Männern wie bei 
Frauen eine durch das Arrangement der Haare bewirkteVcrkürzung der Stirn. 
46. Handschuhe (xugidsg), welche von den verweichlichten Pcrsern 
getragen wurden, scheinen bei den Griechen nicht gebräuchlich gewesen 
zu sein. Bei keinem Bekleidungsstück jedoch haben sich die Ansichten 
über Sitte und Anstand mehr geändert, als bei der Fufsbekleidung. Würde 
es nicht als eine Verletzung jeder Regel des Anstandes gelten, wollte 
man heutzutage unbeschuht einhergehen? Und dennoch fand der Grieche 
keinen Anstofs daran, im Hause, ja selbst auf der Strafse barfüfsig sich 
zu zeigen. Sowie der Orientale noch gegenwärtig beim Betreten des 
Hauses Pantolfel oder Stiefel ablegt und auf Strümpfen einherwandelt, 
legte auch der Grieche, mochte er sein eigenes oder ein fremdes Haus 
betreten, seine Fufsbekleidung ab. So bindet schon im Homer der Mann, 
wenn er das Haus verläfst, die glänzenden Sohlen (rräöola) unter die 
Füfse, und diese Sitte galt noch in späterer Zeit. Diesen Gebrauch ver- 
gegcnwärtigt uns zum Beispiel ein Relief, welches die Einkehr des Dionysos 
beim lkarios darstellt (Müller, Denkmäler H. Taf. L. N0. 624). Hier nimmt 
ein Panisk dem Gotte seine Fufsbekleidung ab, bevor sich derselbe zur 
Tafel legt. Was nun die Form der Schuhe betrifft, so liefern die Monu- 
mente einerseits eine reiche Ausbeute verschiedenartiger Fufsbekleidungen, 
andererseits sind uns in den schriftlichen Zeugnissen eine Menge von Bezeich- 
nungen für verschiedene Formen und Moden des Schuhzeuges aufbewahrt. 
Von einer durchweg richtigen Benennung der auf den Denkmälern erschei- 
nenden Formen müssen wir aber hier, ebenso wie bei den Gefäfsen und 
Kleidern, Abstand nehmen. Es lassen sich jedoch aus einer Vergleichung der 
monumentalen Zeugnisse zunächst drei Hauptformen für die Fufsbekleidung 
erkennen, welche wir nach unserer Terminologie mit den Namen Sohle, 
Schuh und Stiefel bezeichnen können. Die Sohle zunächst, mochte dieselbe 
nur durch einen einfachen, oder durch vielfach ineinander verschlungene 
Riemen unter dem F ufs befestigt sein, glauben wir mit dem allgemeinen 
Namen Ömidqna bezeichnen zu können. Die einfache Sohle pflegte durch 
einen quer über den Spann laufenden Riemen (Cvyög), oder durch zwei an 
den Seitenrändern derselben befestigte und auf dem Spann zusammen- 
gebundene oder durch eine Schnalle vereinigte Riemen unter den Fufs ge- 
bunden zu werden; als Beispiel dafür ist der Fufs der Statue der Elpis im 
Vatican (Fig. 227 No.1) abgebildet. Ob wir hier vielleicht die als eine 
Art der Sandale bezeichnete Fufsbekleidung, welche den Namen ßloezßzq 
führte, vor Augen haben, müssen wir dahingestellt sein lassen. Durch Hin-
        

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