Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-724024
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Die Tracht. 
Die weibliche Kopfbedeckung und Haartracht. 
edlen weiblichen Köpfe antiker Bildhauer- und Stempelschneidekunst, und 
man wird sich einen Begriff von der Grazie und ausgesuchten Eleganz 
machen können, mit welcher die Griechinnen ihr Haar zu ordnen verstan- 
den; alle Moden der Neuzeit, selbst die unschönsten, dürften aber bereits, 
wenn auch nicht im griechischen, so doch im römischen Alterthum ihre 
Vorbilder gefunden haben. Sehr beliebt war es unstreitig, das Haar lang- 
gekiimmt in Wellenlinien über den Rücken herabwallen zu lassen. Ein 
einfaches um den Vorderkopf geschlungenes Band pflegte alsdann die 
Scheitelhaarc mit dem Hinterhaar zu verbinden. Dieses Arrangement der 
Haare erblicken wir beispielsweise bei den Jungfrauen auf dem Fries des 
Parthenon, sowie bei einer Büste der Niobe (Müllers Denkmäler I. 
Taf. XXXIVc). Auf älteren Monumcnten, wie bei der Gruppe der Cha- 
riten auf dem dreiseitigen Altar im Louvre, ist das Scheitelhaar in kleine 
Löckchen gelegt, während das Hinterhaar theils glatt über den Nacken 
zurückfallt, theils in lange bis auf die Schulter herabhängende Locken 
gedreht ist. Ebenso gebräuchlich war es, das an den Schläfen und über 
das Ohr hin in Wellenscheitel zurückgestrichene Haar mit dem Hinterhaar 
in einen geschmackvollen Knoten zu verschlingen (xögvttßol, Fig. 226g,  
Auch hier kam jenes um den Kopf geschlungene Band in Anwendung. 
Dasselbe bestand entweder aus einem Zeug- oder Lederstreifen, welcher 
häufig an der Stelle, wo derselbe auf dem Vorderkopf ruhte, mit einer 
frontispizartig gestalteten Metallplatte verziert war, welche mit dem Namen 
Stephane (ovstpoiuq) bezeichnet wurde (Fig. 22Glz). Diese hohe, oft reich 
verzierte Stephane erblicken wir vorzugsweise auf Denkmälern als Haar- 
schmuck für Göttinnen, wo dieselbe aber alsdann nicht mehr als ein zum 
Festhalten des Haares nothwendiges Band, sondern als ein breiter Metallreifen 
erscheint, welcher zum Schmuck auf den Kopf gesetzt wurde. So bei 
der Büste der Here in der Villa Ludovisi, bei der Statue der Here im 
Vatican und bei der in Capua gefundenen Statue der Aphrodite (Müllers 
Denkmäler II. T af. IV. N0. 54, 5G, 268). Zum künstlichen Arrangement 
des Haares bedienten sich aber die Griechinnen aufserdem einer in der 
Mitte breiten und an den Enden schmal zulaufenden, oft reich verzierten 
Binde von Zeug oder Leder, welche nach ihrer Aehnlichkeit mit der 
Schleuder otpsvdövq genannt wurde. Dieselbe wurde entweder mit der 
breiten Seite über den Vorderkopf gelegt und nach hinten mit den an 
ihren Enden angebrachten Bändern in den Wulst des Hinterhaares ver- 
schlangen, oder umgekehrt dergestalt auf dem Kopfe befestigt, dafs der 
breitere Theil den ineinander verschlungenen Haarschopf trug, die Enden 
aber auf dem Vorderkopfe künstlich zusammengeknüplt waren. Letztere
        

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