Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-723997
Macht den Waffen des achäischen Bundes unterlag. Auf eine zierliche 
Anordnung des Haupthaares scheinen sie im gewöhnlichen Leben, ganz 
angemessen dem dorischen Charakter, kein Gewicht gelegt zu haben und 
nur in feierlichen Momenten, wir erinnern an jenen Vorabend der Schlacht 
in den Thermopylen, wurde der Schmüekung des Haupthaares eine beson- 
dere PIlege zugewandt. In Athen dagegen trugen bis gegen die Zeit der 
Perserkriege die Männer das Haar gleichfalls unbeschnitten und auf dem 
Scheitel in einen Knoten oder Büschel (xgaißvlog) verschlungen, welcher 
durch eine Haarnadel in Gestalt einer Cicade befestigt wurde. Auf Kunst- 
denkmälern jedoch findet sich, wie es scheint, kein Beispiel für diese männ- 
liche Haartracht. Höchstens könnte man in der Haartracht zweier Pankra- 
tiasten auf einem wohl der römischen Zeit angehörenden Monumente (Mus. 
Pio Clement. Vol. V. pl.36) ein Analogon zu jener altattischen Art das Haar 
aufzubinden finden. Nach den Perserkriegen aber, zu welcher Zeit sich 
überhaupt eine Veränderung in Sitte und Tracht bei der ionischen Be- 
völkerung bemerkbar machte, iiel mit dem Eintritt in die Ephebie das 
lange Haupthaar des Knaben unter dem Scheermesser als Weiheopfer für 
eine Gottheit, wie zum Beispiel für den delphisehen Apollon oder für eine 
heimische Flufsgottheit. Der attische Bürger trug jedoch keinesweges das 
Haar kurz geschoren, eine Tracht, die nur den Sklaven vorgeschrieben 
war, sondern vielmehr bald kürzer, bald länger geschnitten, je nach 
eigenem Geschmack oder allgemeiner Mode. Ausnahmen von dieser Regel 
machten freilich jene stutzerhaften jungen Männer, welche sich durch ihre 
Tracht überhaupt bemerklich machen wollten, wie unter anderem von 
dem eitlen Alkibiades erzählt wird, dafs derselbe in langen bis auf die 
Schultern wallenden Locken einhergegangen sei. Auch manche Philosophen 
suchten, ähnlich wie bei uns die Deutschthümelei eine Zeit lang in langem 
Haupt- und Barthaar sich bemerkbar machte, durch eine ähnliche Haar- 
tracht die Erinnerung an jene einfacheren Zeiten wach zu erhalten. 
Eine gleiche Sorgfalt verwandte der Grieche auf die Pflege des Bartes. 
Die Barbierstube (xovgeiov) mit ihrem geschwätzigen Besitzer war schon 
im Alterthum nicht allein der Sammelplatz für diejenigen, Welche behufs des 
Zustutzens der Bart- und Kopfhaare, des Rasirens, des Putzens der Nägel 
und der Entfernung der Hautschwielen, sowie des Ausreifsens überflüssiger 
Bärchen die Kunst des Barbiers (xovgeüg) in Anspruch nahmen, sondern 
auch, wie Plutarch an einer Stelle die Barbierstube bezeichnet, das wein- 
lose Symposien, in welchem alle Stadtneuigkeitcn durehgeklatscht und 
über die politischen Zeitläufe Weidlich gekannegiefsert wurde. Das Bild 
eines solchen griechischen Bartseheerers liefert uns eine Stelle des Alki- 
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