Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-723947
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Die Tracht. 
Farbe der Gewänder. 
Iland der Künstler besonders bewährt. Beispielsweise machen wir auf den 
in unzählige zarte Falten gelegten Chiton aufmerksam, welcher den Rücken 
der jüngsten Tochter der Niobe bedeckt, die in die Kniee gesunken im 
Schoofs der Mutter Schutz sucht gegen Artemis, vernichtende Geschosse; 
in der Malerei dürften einige Wandgemälde von Pompeji als Belege dienen. 
Was die Farbe der Kleider betrifft, so ist die von früheren Archäo- 
logen aufgestellte Behauptung, dal's die weifse Farbe die in Griechenland 
allgemein übliche gewesen sei, buntfarbige Gewänder dagegen als ein 
Zeichen leichtfertiger Sitten gegolten haben, bereits genügend zurück-' 
gewiesen worden (Becker, Charikles lll. S. 194  Im Allgemeinen kann 
man wohl annehmen, dafs bei den mantelartigen Kleidungsstücken, welche 
wir oben unter der Bezeichnung der Epiblemata zusammengefafst haben, 
die weifse Farbe die vorherrschende gewesen sei. Noch heutzutage tragen 
die orientalischen Völker den weifsen wollenen Burnus als Schutz gegen 
die Sonnenstrahlen, daneben aber auch den braunen von der ungefarbten 
Wolle des braunen Schafes gewebten Mantel. So waren auch in Griechen- 
land neben den weifsen die dunkelfarbigen Mäntel eine bei den Männern 
beliebte Tracht, und unstreitig hatten die buntfarbigen orientalischen Ge- 
wänder wenigstens bei der reicheren Bevölkerung Griechenlands Aufnahme 
gefunden. Auch bei den Frauengewändern waren neben der, für sittsame 
Frauen jedesfalls vorherrschenden weifsen Farbe, buntgefärbte Stolfe im 
Gebrauch. Dafür sprechen, auch abgesehen von den schriftlichen Zeug- 
nissen des Altcrthums, nicht nur eine Anzahl kleiner bemalter Statuetten 
aus gebranntem Thon, sondern auch mehrere mit Gewandfiguren bemalte 
Lekythoi aus attischen Gräbern. Ist auch der ursprüngliche Farbenton 
der Gewänder, vorzüglich das Roth, durch Feuer in etwas verändert, so 
läfst sich derselbe doch überall noch deutlich erkennen. So trägt beispiels- 
weise auf dem in unserem Buche unter Fig. 318 dargestellten Vasenbilde 
die weibliche Figur linker Hand einen safrangelben (xgoxwzoi), vielleicht 
die Farbe der Byssos nachahmenden Chiton und einen violetten Peplos, 
während der Chiton der zur rechten Seite stehenden Frau goldbraun ist. 
Ebenso erscheinen" die Männer in diesen Bildern mit kirschfarbiger Chlamys 
und rothem Himation, Charon aber in der dunkelfarbigen, bei den Sehiffern 
gebräuchlichen Exomis (vgl. Stackelbergs Gräber der Hellenen, Taf.43--45). 
Jedesfalls haben wir hier sowohl im Schnitt als in der Farbe der Ge- 
wänder dem alltäglichen Leben entnommene Muster vor Augen. 
Sämmtliche Gewandslücke wurden häufig durch angewebte Borduren, 
durch eingewebte Muster, sowie durch Stickereien verziert. Die einfachste 
derartige Bordure, mochte sie angewebt oder auf das Gewand aufgesetzt
        

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