Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-723936
Die 
Tracht. 
Sh 
Die 
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Museo Pio Cleinentino als Beispiel für diese kleidsame Tracht ausgewählt 
(Fig. 223), mit welcher wir auf anderen Denkmälern vorzugsweise den 
Hermes, Kastor, Polydeukes, den Wanderer Odysseus, sowie Krieger und 
Reiter, z. B. auf den Reliefs am Fries des Parthexlon die reitenden Epheben, 
bekleidet erblicken. 
Was die StoITe betrifft, aus welchen die Kleidungsstücke verfertigt 
waren, so haben wir bereits oben erwähnt, dal's WVolle bei den Doriern, 
Linnen bei den Ioniern das Hauptmaterial bildeten, sowie, dal's die wollenen 
dorischen Gewänder, bei den Männern namentlich, allgemein in Aufnahme 
kamen. Der Wechsel der Jahreszeit aber erforderte bald ein leichteres, 
bald ein stärkeres und zottigeres Gewebe dieser Wollenstoffe, und so 
sehen wir daher auch schon im Alterthum einen Unterschied zwischen 
Winter- und Sommerkleidcrn. Speciell für die weibliche Tracht kam 
aufscr Schafwolle und Linnen besonders die Byssos, ein aus den Fasern 
gewisser Pflanzen gefertigtes Gewebe, in Anwendung. Die verschiedenen 
Vermuthungen und Untersuchungen über denjenigen Stoff oder die Stoffe, 
Welche die Alten mit dem Namen Byssos bezeichneten, hier wiederzugeben, 
würde zu weit führen. Am wahrscheinlichsten aber erscheint die Ansicht, 
dafs ein Baumwollengespinnst diesen Namen gefihrt habe. Der Byssos 
ähnlich, jedoch wahrscheinlich bei weitem feiner, war jenes Gespinnst, 
welches die Insel Amorgos für die berühmten feinen und durchsichtigen 
Frauengewänder, welche unter dem Namen oiuögyava bekannt waren, 
lieferte. Sie sollen aus den Fasern einer feinen Flaehsart gewebt werden 
sein und glichen jedesfalls unseren Mousselinen oder Battisttüchern. Die 
Einführung seidener Stoffe in Griechenland gehört unstreitig erst einer 
späteren Zeit an, während in Asien der Gebrauch seidener Gewänder bis 
in das hohe Alterthum hinaufreicht. Von Innerasien kam die Seide theils 
in Cocons, also noch ungehaspelt, thcils schon verarbeitet nach Griechen- 
land.  Derartige schon fertige Gewänder scheinen den Namen oqgned ge- 
führt zu haben, während die aus dem eingeführten Rohstoff (yäzaäu, 
noiraäa) gearbeiteten Kleider ßopßzjxtva genannt wurden. Auf der Insel 
Kos hatte die Seidenweberei zuerst ihren Sitz aufgeschlagen, und von 
hier aus kamen jene florartig gewebten seidenen Gewänder in den Handel, 
welche an Durchsichtigkeit jene amorginischen Gewebe wohl noch über- 
troffen haben mögen. Solche zarte, den Formen des Körpers sich an- 
schmiegende und bei ihrer Durchsichtigkeit selbst wohl die Hautfarbe 
und die Adern durchschimmern lassende Gewänder (siuona dtatpavij) 
haben griechische Bildhauer und Maler nichtßselten in ihren Darstellungen 
angewandt, und hat sich hierin der feine Kunstsinn, sowie die geschickte
        

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