Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-723774
Trinkgefäfse. 
Küchengeräth. 
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ein solcher auf einem Silbergefäfse von Bernay erscheint. Jedoch hatte, 
wie unter Anderem aus dem oben erwähnten Vasenbilde hervorgeht, das 
Rhyton auch eine wahrscheinlich verschließbare Oelfnung innerhalb des 
Maules deslThierkopfes, aus welcher der Weinstrahl hervorsehofs und von 
dem Trinker geschickt in die Trinkschale aufgefangen werden mufste. 
Wir knüpfen an die Gefafse zur Aufbewahrung des Weines und Üeles 
jenen noch heutzutage in Südeuropa und im Orient gebräuchlichen, aus 
einer zusammengenähten und zusammengebundenen Thierhaut verfertigten 
Weinschlauch (äoxög) an. Auf Bildwerken erblicken wir denselben häufig 
auf dem Rücken von Faunen und Silenen, und selbst die Kerameutik hat 
für eine Art kleinerer Wein- oder Oelgefaifse diese Form der zusammen- 
gebundenen Thierhaut nachgebildet. Unsere Vasensammlungen enthalten 
mehrfach solche Gefiifse (Levezow, Gallerie derVasen etc. Taf. IX. No.189), 
und mag jener oft wiederkehrenden Form von Iolenkelgefalsen (F ig. 201 
N0. 32), welche Gerhard als Askos bezeichnet, die Nachbildung eines 
solchen Weinschlauches zu Grunde liegen. 
Von dem griechischen Küchengeräth ist uns, mit Ausnahme weniger 
Schüsseln, so gut wie nichts erhalten. Mit der Zerstörung des Wohn- 
hauses ging auch das gröbere Kiichengeräth, vorzugsweise das thönerne, 
zu Grunde, und in den Todtenkammern wurde derartigen anspruchslosen 
Geliilsen kein Platz vergönnt. Wir verweisen deshalb auf die Küchen- 
geräthe der Römer, fiir welche die Ausgrabungen in Polnpeji ein reiches 
Material geliefert haben. Die Chytra (xürga) glich jedesfalls unseren ein- 
und zweihenkligen Kochtöpfen. Brei, Gemüse und Fleisch wurde in ihnen 
gekocht, aus ihnen wurden beim Beginn der Mahlzeit den Plausgöttern 
und dem Zeus Herkeios, sowie bei Einweihungen von Tempeln und Al- 
tären die Opfer-Primitien dargebraeht. Mitunter war die Chytra mit drei 
Füfsen versehen (vgl. Fig. 201 N0. 38), gewöhnlich aber und vorzüglich 
dann, wenn die halbeiförmige fufslose Form des Gefafses einen Untersatz 
erforderte, wurde sie auf einen Dreifufs (xvrgonoüg, Ädoavov) gestellt. 
Schon bei Homer erscheinen solche entweder auf einem Dreifufs ruhende 
oder mit drei Füfsen versehene gröfsere Kochgcsehirre (rginoösg), welche 
dort namentlich zur Erwärmung des Badewassers gebraucht wurden. Mit 
der Chytra identisch war wohl der meistentheils eherne dreifüfsige Ääßqg, 
und beider Gefafse, bald aus Erz, bald aus Silber oder Gold gearbeitet, 
geschieht unter den Tempelschiitzen häufig Erwähnung. Auf einem Cameo 
(Panofka, Bilder antiken Lebens. 'l'af. XII. N0. 5) erblicken wir einen 
solchen mächtigen Lebes, jedoch ohne Untersatz, in dem zwei Knaben 
ein Schwein zu kochen im Begriif sind, während ein dritter das Feuer
        

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