Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-723639
dieses Styls vorkommenden Formen von dorischen Buchstaben und Wort- 
formen, sowie die Uebereinstimmung in der Technik weisen, WO auch 
immer dieselben im Boden Italiens oder Griechenlands gefunden werden, 
auf eine Fabrik hin, und es scheint, dafs das durch seine Töpferwerk- 
stätten und Handelsverbindungen berühmte Korinth der Hauptmarkt für 
gebrannte Thongefälse gewesen ist. Eine Anzahl diesen eben beschrie- 
benen ähnlicher Gefäfse weisen jedoch durch ihren den dorisehen Styl 
copirenden Charakter auf nicht-dorische Fabrikorte hin. Wir verweisen 
in Bezug auf diesen Punkt auf die ausgezeichnete Vorrede zu Jahn's Be- 
schreibung der Vasensammlung König Ludwigis in der Pinakothek zu 
München (p. CXLVIII Hi), die wir unserer Darstellung in vielen Punkten 
zu Grunde gelegt haben. Die auf diesen Vasen gleichfalls in Streifen an- 
gebrachten Compositionen enthalten aber eine Erweiterung des mythischen 
Stoffes, indem nicht allein der troische Sagenkreis, sondern auch die in 
dem ältesten Epos niedergelegten Mythen von den Künstlern in der Art 
freilich benutzt worden sind, dafs die darzustellende Handlung in ihre 
einzelnen Momente zerlegt dem Besehauer vor Augen geführt wird. 
Diese letzteren Vasen bilden den Uebergang zur zweiten Periode der 
Gefäfsbildnerei. Mannigfaltigere, graziösere und schlankere Bildungen ver- 
drängen die in die Breite gedrückten schwerfälligen Formen, welche die 
Gcfzifse der ersten Gruppe charakterisiren. Die Figuren sind mit tief- 
sehwarzen Farben aufgetragen und mit einem glänzenden Firnifs über- 
zogen, weichen jedoch in der Malertechnik noch nicht von den in der 
früheren Periode erscheinenden ab. Hier wie dort sind die mit dem 
Griffel eingeritzten Contouren mit schwarzer Farbe höchst sauber ausge- 
füllt, die Details sind gleichfalls eingeritzt und einzelne Waffem, Gewand- 
oder Körpertheile, um einen gefälligeren und lebhafteren Eindruck hervor- 
zurufen, mit weifser oder dunkclrother Deckfarbe übermalt. DieVasenmalerei 
scheint hier der in der Scnlptur und Plastik angewandten Polychromie 
gefolgt zu sein. Ebenso wurden einzelne WVaIfenstiicke, die Stickerei und 
hluster in den Gewändern, das Haupt- und Barthaar, die Mahnen der 
Thiere u. s. w. mit tiefrothen Strichen angedeutet. Für die Gewänder 
namentlich war eine solche Abwechselung der Farben Sehr nothwßndig. 
da jede freiere Behandlung des Faltenwurfes noch gänzlich fehlte und 
die Gewänder, eng an den Körper angelegt, nur im Allgemeinen den 
Bewegungen desselben folgten. Dieselbe Starrheit spricht sich auch in der 
Behandlung des Gesichts und der übrigen nackten Körpertheile, sowie in 
den Bewegungen ans. Die Gesichter sind stets im Profil dargestellt, Nase 
und Kinn treten weit und spitz hervor, und an dem eng geschlossenen
        

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