Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-723622
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Thongefälsc 
Entwickelung der Gefifsmalen 
37. Die Entwickelung der Gefzifsbildnerei historisch festzustellen, 
würde eine vergebliche Aufgabe sein, da weder die schriftlichen Zeug- 
nisse des Alterthums, noch die Gefaifse selbst uns irgend einen Anhalt 
bieten, und so müssen wir uns darauf beschränken, die Stylgattungen 
als charakteristische Merkmale für eine frühere oder spätere Zeit der 
Anfertigung der Gefäfse aufzustellen. Wie schon oben angedeutet, gelten 
jene Vasen als der frühesten Periode der Gefäfsbildnerei angehörend, bei 
welchen die Darstellung in schwärzlicher oder dunkelbrauner Farbe auf 
den blafsrothen oder gelblichen Grundton des Thones aufgemalt worden ist, 
wobei nicht selten die schwarzen Figuren stellenweise mit weifser oder 
violetter Deckfarbe iibermalt erscheinen. Die Gefeifse, meist von kleinerem 
Umfange und etwas gedrückter Form, sind in horizontal laufenden Pa- 
rallelstreifen mit Darstellungen umgeben, welche theils der Thier- oder 
Pflanzenwelt entnommen sind, lheils aus phantastischen Gebilden oder 
künstlich ineinander verschlungenen Verzierungen bestehen (lfig. 198). Sie 
zeigen einen gewissen altherkömmlichen steifen Typus in der Zeichnung, 
welcher mit den in neuester Zeit bei den Ausgrabungen von Ninive und 
Babylon entdeckten Gefäfsen vollkommen übereinstimmt, so dal's sich die 
Ansicht geltend gemacht hat, dal's diese Art der Malerei vom Orient nach 
Griechenland verpflanzt worden sei. Diese archaistische Art der Darstel- 
lung wurde, ebenso wie in der Plastik der streng hieratisehe Styl neben 
einer bereits freieren Auffassungs- und Bchandlungsweise der Form fort- 
bestand, noch lange Zeit ausgeübt, als die Vasenmalerci bereits einen hö- 
heren Aufschwung gewonnen hatte. Als erster Fortschritt in der Ent- 
wickelung sind einmal die Verbindung jener Thiergestalten und der 
Ornamente mit einzelnen balbmenschlichen, halbthierischen Figuren, dann 
aber Compositionen mehrerer meist einem beschränkten Kreise der Heroen- 
sagen angehörenden Gestalten oder Jagdscenen zu betrachten. Ueberall 
jedoch zeigen die Figuren ebenso viel Starrheit in den ruhigen, als eine 
gewisse Gewaltsamkeit in den bewegten Stellungen. Die auf den Gefäfsen
        

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