Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-723581
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Thongefäfse. 
dient zu haben.  Zum Verschlufs des Deckels diente in der homerischen Zeit 
ein zusammengeknotetes Band. Erst später kam die Sitte auf, die Enden 
dieses Bandes mit feuchter Siegelerde oderWachs zu befestigen und mit dem 
Siegelringe zu versiegeln. Dafs aber diese Kästen, ähnlich wie das hohe 
Alterthum bereits für den Thürverschlufs Schlofs, Schlüssel und Riegel 
kannte, auch in späteren Zeiten mit Schlössern versehen waren, dafür 
sprechen wohl jene auf uns gekommenen kleinen, an Fingerringen befestigte 
Schlüssel (Ringschliissel vergl.  93), welche, obwohl nur der römischen 
Zeit anghörend, den Griechen gewifs nicht unbekannt waren und eben ihrer 
Kleinheit wegen nur zum Verschliefsen kleinerer Behälter, nicht aber von 
Thüren benutzt werden konnten. 
35. Aus sämmtlichen in den vorigen Abschnitten beschriebenen Geräthen 
sind wir zu dem Schlafs berechtigt, dafs das Meublement des griechischen 
Wohnhauses im Vergleich zu unserer Zimmereinrichtung ein höchst ein- 
faches gewesen ist. Durchweg aber bekunden diese Geräthe, selbst in 
ihren nur durch Reliefdarstellungen und Vasenbildern höchst unvollkommen 
überlieferten Abbildungen, einen Reiehthum an schönen Formen. Dieser 
Geschmack für edle Formen, verbunden mit dem richtigen Sinn für die 
Zweckmäßigkeit, tritt aber vorzugsweise bei jenen Gefäfsen des Alterthums 
an uns heran, Welche theils zur Aufbewahrung flüssiger oder trockener 
Gegenstände dem häuslichen Gebrauche dienten, theils als Weihgeschcnke 
die Tempel der Unsterblichen, als Ehrengaben die Gemächer der Sterblichen 
und die engen Wohnungen der Abgeschiedenen schmückten. Dahingesunken 
sind freilich die Wohnstätten der Götter und Menschen, zertrümmert von 
feindlichen Elementen und Menschenhand; jene Stätten aber, welche lie- 
bende Hände den Todten als letzte Wohnung im Schoofs der Erde bereitet 
hatten, entgingen mit den in ihnen geborgenen Schätzen theilweise wenig- 
stens der allgemeinen Verniehtung. Aus diesen Gräbern stammt, aufser 
zahlreichen Gegenständen des friedlichen und kriegerischen Verkehrs, jene 
grofse Masse von Gefäfsen, welche gegenwärtig zu den Hauptzierden un- 
serer Museen gehören. Betrachten wir zunächst die am zahlreichsten ver- 
tretene Klasse der Thongefäfse. Die Erfindung der Töpferscheibe, auf 
welcher die Thongefäfse geformt wurden, gehört unstreitig einem sehr 
hohen Alterthume an, und wie die Griechen stets geneigt waren, die wich- 
tigsten Erfindungen an bestimmte vorhistorische Persönlichkeiten zu knüpfen, 
so war in Griechenland an denjenigen Orten, an welchen nachweisbar der 
Betrieb des Töpferhandwerkes schon seit den ältesten Zeiten blühte, die 
Erfindung oder Verbesserung der Gefäfsfabrikation mit solchen mythischen
        

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