Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-723394
Theater zu dienen hatte. Diese Erweiterung konnte zunächst aus nichts 
anderem bestehen, als dafs der Orchcstra gegenüber dem Zuschauerraum 
ein baulicher Abschlufs gegeben wurde. Ja ein solcher mag schon bei 
den älteren Theatern dadurch erreicht worden sein, dafs man, theils um 
die, Orchestra bestimmt abzugrenzen, theils auch um die Wirkung der 
Chorgesänge zu verstärken, an der den Zuschauern und Hörern gegen- 
überliegenden Seite eine Mauer aufführte. Diese Mauer nun ward allmälig 
zu einem besonderen Gebäude, das, künstlich gegliedert, sowohl den Er- 
fordernissen der dramatischen Aufführung entsprach, als auch dem Theater 
selbst zu würdigem Abschlufs diente. Das erste aus Stein errichtete und 
mit einem Bühnengebäiude versehene Theater war das von Athen, welches 
später allen übrigen Theaterbauten im Mutter-lande wie in den Colonien 
zum Vorbild gedient hat. Dem Dionysos geweiht, lag dasselbe am süd- 
lichen Abhange der Akropolis (vergl. Fig. 51h), und sind durch die von 
Strack im Sommer des Jahres 1862 begonnenen, aber leider unterbrochenen 
Ausgrabungen wohlerhaltene Theile der Zuschauersitze mit wichtigen In- 
Schriften und Sculpturen freigelegt worden. Als Veranlassung dieses in 
der 70. Olympiade begonnenen Baues wird angegeben, dafs bei einer 
theatralischen Aufführung, in der Aeschylos und Pratinas als Bewerber 
aufgetreten waren, die bisher aus Holz hergestellten Sitzgerüste einge- 
brochen seien. Mit dem Theater von Athen war ein allgemeiner Typus 
gewonnen, den man mit mehr oder weniger Abweichungen, die durch 
die Gröfse des Raumes und die Natur des Bodens bedingt sein konnten, 
bei fast allen späteren Anlagen der Art befolgte. Demgemäfs zerfiel das 
Theater, wie sich auch aus den obigen Anführungen ergiebt, in drei Theile: 
die fast einen vollen Kreis bildende Orchestra, den Zuschauerraum und 
das Bühnengebäude. Wir beginnen unsere Schilderung mit dem Zuschauer- 
raume. Dieser, von den Griechen wo uoilov (die Höhlung) benannt, be- 
stand aus mehreren Stufen, welche sich in Form eines Halbkreises oder 
der eines gröfseren Kreissegmentes gleichmäfsig um die Orchestra erhoben 
und den Zuschauern als Sitzplätze (äduilwv) dienten. Auf der der Bühne 
zugewendeten Seite waren die Sitze durch eine Mauer begrenzt, welche 
denselben zur Stütze und zum Abschlufs diente und, der aufsteigenden 
Linie der Sitze folgend, den Blick auf die Bühne frei liefs. Die Stellung 
dieser Mauern bedingt zwei verschiedene Anordnungen der Theater, indem 
dieselben entweder in einem stumpfen Winkel gegeneinander oder in einer 
geraden Linie stehen. Dadurch entstehen zwei Klassen, in welche sämmt- 
liche uns bekannte griechische Theater zerfallen. 
Als Beispiel der ersten Gattung führen wir hier das Theater auf der
        

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