Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-723370
Die Theater. 
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S0 kam es denn, dal's die Theater mit äufserstem Geschmack und Glanz 
ausgeführt wurden, und wenn sie den Stadien und Hippodromen auch 
nicht an Gröfse gleichkamen, dieselben doch in Bezug auf prächtige 
Ausstattung und feine Berechnung der Anlage in den meisten Ilällen bei 
weitem übertrafen. 
Die Anfänge indefs waren auch hier sehr einfach und sie konnten 
es um so mehr sein, als es Theater gegeben zu haben scheint, noch ehe 
das Drama seine künstlerische Ausbildung erlangt hatte lmd dessen Auf- 
führung mit in den Kreis der öffentlichen Darstellungen gezogen war. 
Denn ursprünglich handelte es sich bei der Anlage von Theatern nur um 
die Aufführung und Schau jener festlichen Chorreigen und der damit ver- 
bundenen Gesänge, welche einen Theil des Cultus, namentlich des Dionysos, 
ausmachten, und wie dies mit fast allen Handlungen der griechischen Gottes- 
verehrung stattfand, bald in das öffentliche Leben iibergingen, um dadurch 
zu einem Mittel künstlerischer Ausbildung der aufwachsenden Jünglinge 
und Jungfrauen, sowie zu einer Quelle des Genusses für das zusehauende 
Volk zu werden. Auch andere Zwecke waren nicht ausgeschlossen. Auf- 
züge aller Art konnten hier stattfinden; für öffentliche Verkündigungen 
von Seiten der Behörden war hier ein bequemer Platz gefunden; ja eigent- 
liche Volksversammlungen konnten im Theater abgehalten werden, wie 
denn auch, als die dramatischen Aufführungen schon zu hoher Vollendung 
gelangt waren, das grofse Theater des Dionysos zu Athen ganz allgemein 
zu den Volksversarnmlungen benutzt wurde. 
Was nun die Form und Herstellung dieser Räume betrifft, so ist auch 
hier wieder zu bemerken, dal's die Griechen sich den gegebenen natürlichen 
Bedingungen anschlossen und, wie dies bei Stadien und Hippodromen schon 
nachgewiesen ist, natürliche Erhöhungen des Bodens auch zur Anlage 
der Theater aussuchten. Während es sich aber bei jenen Gebäuden in 
Folge der besonderen Natur des Wettlaufes, der die Veranlassung dazu 
gegeben hatte, um einen langgestreckten Bergrücken oder eine ähnlich 
gebildete Senkung des Bodens handelte, bedingte bei dem Theater die 
abweichende Natur der Aufführung auch eine abweichende Form des 
Gebäudes. Es sollte nämlich hier eine grofse Versammlung an einem Vor- 
gange Theil nehmen, der im Gegensatz zum Wettlauf an eine bestimmte 
Stelle gebunden war. Um diese herum mufsten daher Sitze gewonnen 
werden, die dieselbe möglichst in gleicher Vertheilung umgaben und jedem 
Einzelnen die möglichst gleiche Bequemlichkeit boten, auf denselben Punkt 
hinzublicken. So wurde die langgestreckte Form der Stadien und Hippo- 
drome aufgegeben, und man gelangte zu der Form eines mehr oder we- 
gae
        

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