Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-723261
tretende Wasser das Vorrücken der Zeit erkennen liefs. Auf der Spitze 
des das Dach dieses Baues krönenden Capitells war die bewegliche, eherne 
(nicht mehr erhaltene) Figur eines Triton angebracht, welcher, vom Winde 
bewegt, mit seinem Stabe auf die W indesrichtungen hiuunterwies, deren 
halberhabene Gestalten als Friessclimuck an den acht Seiten des Gebäudes 
angebracht sind. Unterhalb dieses Frieses sind die Linien der Sonnen- 
uhr auf den Wänden eingemeifselt. Zwei kleine Portiken, deren je zwei 
mit canelirten und bascnlosen Säulen mit korinthisirenden Capitellen ge- 
schmückt waren, sowie ein halbrunder Ausbau verleihen diesem tburm- 
artigen Gebäude eine ungemeine Zierlichkeit (Fig. 159). 
27. Wir haben öfter der Stoen oder Sänlenhallen Erwähnung gethan; 
sie waren im Aeufsern und Innern der 'I'empcl angebracht; sie umschlossen 
die Anlage des Wohnhauses; sie fafsten den Peristyl der Gymnasien ein 
und waren ebenso rings um die Marktplätze der griechischen Städte umher- 
gelührt. Derartige Sänlengänge oder Hallen konnten aber auch für sich 
allein zum Gegenstande künstlerischer Ausbildung gemacht werden. Als 
Beispiele einer solchen Ausbildung haben wir schon die Xysten kennen 
gelernt, breite bedeckte Säulengänge, die auf der einen Seite durch eine 
Wand, auf der anderen durch eine Säulenreihe begrenzt waren, und die 
durch eine geschickte Benutzung des Terrains sowohl für Leibesübungen, als 
auch für Spaziergänge bequeme Gelegenheit boten. In dieser Weise scheint 
nun die Stoa, auch unabhängig von anderen Gebäuden, nicht selten zur 
Zierde von Plätzen und Strafsen angewendet worden zu sein, wo sie dann, 
durch einige Stufen erhöht, ein sehr angemessenes Local für ungestörtes 
Auf- und Abwandeln oder gemeinsame Berathung politischer und wissen- 
schaftlicher Gegenstände darbot. Ihre einfachste Form ist die eines von 
einer Mauer begrenzten Säulenganges. Die Hinterwand desselben bot bild- 
liehen Verzierungen eine grofse und ununterbrochene Fläche dar, und so 
linden sich denn auch nicht selten derartige Stoen mit Malereien geschmückt. 
So enthielt eine am Marktplatz von Athen befindliche Stoa die Darstel- 
lungen der Schlacht bei Oenoö, des Kampfes der Athener gegen die Ama- 
zonen, der Zerstörung von Troja und der Schlacht von Marathon, wonach 
sie die "m00? nomilq genannt wurde. 
 Von dieser einfachen Form aber konnte man auch zu einer weiteren 
Entwickelung übergehen und, nach einem ähnlichen Gesetz, wie wir es 
bei dem Tempelbau beobachtet haben, auch auf der anderen Seite der 
Mauer eine Säulenreihe errichten. Dies ergab eine doppelte Halle, die 
denn auch von den Griechen crzoä dank] genannt wird und von der
        

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