Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-723220
als beim Gymnasien hinführen. Denn der hlarktplatz wurde immer als 
der Mittelpunkt des ganzen Lebens der Stadtgemeinde betrachtet, wie der- 
selbe denn auch in den meisten Fällen historischer und naturgcmäfser Ent- 
wickelung Ausgangspunkt derselben gewesen war. In Seestädten gewöhnlich 
am Meere, in Landstädten am Fufse des Hügels belegen, auf dem die alte 
llcrrenburg thronte, concentrirtc sich auf ihm, aufser dem Geschäftsverkehr 
mit Kauf und Verkauf, ebenso sehr das politische und religiöse Leben der 
Bevölkerung. Hier vereinigten sich schon zur homerischen Zeit die Bürger, 
um Rath zu pflegen, weshalb auch Sitze daselbst angebracht waren; hier 
befanden sich nicht selten die ältesten und wichtigsten lleiligthüiner der 
Stadt, und hier wurden die ersten Spiele gefeiert; hier trafen endlich die 
Strafsen und Wege zusammen, welche den geschäftlichen Verkehr mit den 
Nachbarstädten und Staaten ebenso sehr vermittelten, als die Gemeinsamkeit 
altnationaler Cnlte aufrecht erhielten, indem sie die natürlichen End- und 
Ausgangspunkte für die heiligen Züge bildeten, durch welche ursprünglich 
verwandte, aber räumlich getrennte Heiligthümer in ununterbrochener Ver- 
bindung standen. 
Alles dies führte nothwendig darauf hin, den vielbedeutsamen Ort, der 
bei etwaigem politischen Uebergewicht der Stadt selbst zum Mittelpunkte 
auch des gesammten Staatswesens werden konnte, dieser seiner Bedeutung 
gemäfs reicher zu verzieren. An eine eigentliche bauliche Anlage, wonach 
der Markt als ein geschlossenes, künstlerisch hergestelltes Ganze erschienen 
wäre, hat man indefs bei den alten Städten des Mutterlandes selbst in 
späteren Zeiten nicht zu denken. Die natürlichen Grenzen des Marktes 
waren wohl nur in seltenen Fällen ganz regelmäfsig gewesen, sie konnten 
aber auch später nicht willkürlich verrückt werden, indem sowohl die an 
den Ort selbst geknüpfte Heiligkeit der Tempel, als auch der bestimmte 
Lauf der auf den Markt mündenden Strafsen dies verhinderte. Wo da- 
gegen Städte neu gegründet wurden, konnte man gleich von vorn herein 
auf regelmäßige Anlagen bedacht sein, und so scheint denn auch in der 
That die regelmäfsige Erbauung der Agoren von den kleinasiatischen  
lonien ausgegangen zu sein. S0 bemerkt Pausanias von dem Markte zu 
Elis ausdrücklich, dafs derselbe nicht nach ionischer Sitte, sondern in 
mehr alterthümlicher Weise gebaut sei. 
Während nun auf diesen Marktplätzen ilrsprünglich gewifs alle öffent- 
lichen Verhandlungen stattgefunden hatten, konnten in Städten, in denen 
der Verkehr zu grofs und lebhaft war, die eigentlichen Berathungen der 
Bürger auch an einem besonders dazu eingerichteten Orte abgehalten wer- 
den. Ein solcher Berathungsort für die Volksversammlungen ist uns in der
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.