Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-723180
Ueber den Zusammenhang dieser einzelnen Theile werden wir durch 
Vitruv unterrichtet, der eine vollständige Beschreibung eines griechischen 
Gymnasien im elften Capitel seines fünften Buches über die Architektur 
gegeben hat. Seine Vorschriften, die er der Einrichtung wirklicher Gymna- 
sien der späteren griechischen Zeit entlehnt hat, beginnen mit dem Hofe, 
der wie beim Wohnhause nagw-ußltov heifst und entweder quadrat oder 
oblong angelegt werden soll, so dafs der Umfang zwei Stadien I 1200 Fufs 
betrage. Rings umher gehen Säulenhallen, auf drei Seiten einfache, auf 
der dem Süden zugekehrten Seite eine doppelte, wodurch die sich dort an- 
schliefsenden Räume mehr Schutz gegen die Witterung gewährten. An die 
einfachen Hallen schliefsen sich geräumige Säle, exedrae, an, mit Sitzen 
zum Aufenthalt für Philosophen und Rhetoren, sowie für alle diejenigen, 
die sich dort der Unterhaltung oder der Forschung hingeben wollen. An 
den doppelten Porticus aber reihen sich mehrere andere Räume an. In 
der Mitte das Ephebezvm, ein grofser mit Sitzen versehener Uebungssaal 
für die Jünglinge, der ähnlich der Prostas im älteren Wohnhause den 
Mittelpunkt der ganzen Anlage gebildet zu haben scheint. Davon liegen 
rechts das Coryceuvn (für das Spiel mit dem Ball xaigvxog), das Conisterium 
(s. S. 111), und neben diesem bei der Biegung der Halle die frigida lavatio 
(das kalte Bad), von den Griechen Äovzgdv genannt. Auf der anderen 
Seite folgen in derselben Ordnung das Elaeotlz-esiu-rn, das Frigidariuvn oder 
vielmehr, was wahrscheinlicher ist, Tepidariulm (ein laues Bad), dann der 
Eingang zu dem Feuerungsraum Propnigeuvn, dabei ein Schwitzbad, 
welchem sich auf der einen Seite ein Laconicutnz und die calda lavatio 
anschließen. 
Mit 
diesen 
Räumen 
wird 
man 
sich 
wohl 
durchschnittlich 
bei 
der 
Anlage von Gymnasien begnügt haben. Jedoch kommen in der späteren 
prachtliebenden Zeit allerdings noch Erweiterungen dieser Anlage vor, und 
es scheint mit dem Gymnasien auch mitunter ein Stadion verbunden wor- 
den zu sein. Auf solche Erweiterungen nun nimmtVitruvius ebenfalls Rück- 
sicht in dem, was er zu der obigen Beschreibung hinzusetzt. Er sagt 
nämlich, dal's aufserhalh dieses Peristyls noch drei Porticus anzulegen seien 
(die Erweiterung entspricht merkwürdiger Weise der des Wohnhauses von 
einem einhöiigen zu einem zweihöiigen); einer auf der Seite derjenigen, 
welche das Peristyl bilden (so nennt er die ganze eben beschriebene An- 
lage), zwei rechts und links davon. Der erste derselben, der nach Norden 
sieht, soll sehr breit und mit doppeltem Säulengange angelegt werden. 
Die beiden anderen sollen einfach sein und zwar so, dal's sie zunächst 
der Mauer und den Säulen einen erhöhten Umgang haben (margines),
        

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