Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-723179
oben genannten Uebungen künstlich ausgebildet und vermannigfaltigt wur- 
den, um so mehr mufste das Bedürfnifs gröfserer und bestimmt gegliederter 
Räumlichkeiten dafiir hervortreten, und während früher offene Plätze, wo 
möglich an einem Bache gelegen und von Baumgruppen eingeschlossen, 
zu den Uebungen benutzt wurden, richtete man in späterer Zeit besondere 
Plätze und Gebäude, Gymnasien (yvpvddtov), dazu ein, welche aus einer Er- 
weiterung der Ringschulen und einerVerbindung derselben mit freien Plätzen 
und Höfen hervorgingen. Die einfachste Form war die eines offenen Hofes, 
der mit Säulenhallen umgeben wurde und an den sich bedeckte Räume 
anschlossen. Der Hof konnte für Lauf und Sprung benutzt werden, die 
bedeckten Räume für den Ringkampf. Mit der gröfseren Ausbildung der 
Leibesübungen selbst und mit der gröfseren Neigung der Männer, an den 
Spielen der Jugend sich thätig zu betheiligen und dort einen grofsen 
Theil ihrer Zeit zuzubringen, wuchsen auch die Gymnasien zu gröfserer 
Pracht und Ausdehnung an. Sie wurden zu einem Bedürfnifs des grie- 
chischen Lebens, so dafs keine Stadt ohne Gymnasien zu denken war 
und gröfsere Städte deren oft mehrere aufzuweisen hatten. Genaue Be- 
schreibungen dieser Anlagen sind uns von den Griechen selbst nicht er- 
halten, doch lassen sich aus vereinzelten Aeufserungen der Schriftsteller 
mehrere der hervorragenden Theile derselben erkennen. Namentlich sind 
einzelne Bemerkungen in den platonischen Dialogen von grofser Wichtigkeit. 
Hier wird zunächst das äqwjßaiov erwähnt, der zu den Uebungen der 
Jünglinge bestimmte Saal; sodann das Bad (ßalaveiov), zu dem das nvgia- 
zvfgwv gehört, das trockene Schwitzbad, indem die Kämpfer sowohl als 
auch die Besucher des Gymnasien daselbst warm zu baden pflegten. 
Das ofrroövzügtoil, welches wir als Garderobe bezeichnen können, diente 
zum Auskleiden. In einem älmoöhirnov genannten Raume wurde das Oel 
zum Einreiben der Kämpfer aufbewahrt und wohl auch die Einreibung 
selbst vorgenommen, während in dem xovtcrzügiov das Bestreuen des Kör- 
pers mit Sand oder Staub stattfand, welches zum Beispiel beim Ring- 
kampfe erforderlich war, damit die Kämpfer sich fest und sicher fassen 
und halten konnten. Zum Ballspiel diente das ocpatgiozejgiov, und olfene 
und bedeckte Gänge zu Uebungen im Laufen oder auch zu einfachen 
Spaziergängen; fiir diese scheint die allgemeine Bezeichnung 6963m; ge- 
wesen zu sein. Eine besondere Art von bedeckten Gängen waren die 
Evdroi, die auf beiden Seiten eine Erhöhung für Spaziergänger und in 
der Mitte eine Vertiefung für die Kämpfer hatten, ähnlich den Stadien, 
weswegen dieselben auch von den Römern porticus stadiatae genannt 
wurden.
        

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