Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-723165
Auf schlankem, quadratischem Unterbau erhebt sich dasselbe in Form 
eines zierlichen Rundtempelchens; sechs korinthische Halbsäulen (vergl. 
Fig. 11) treten aus der kreisförmigen Wand hervor und tragen ein Gebälk, 
auf dessen Fries ein Vorgang aus der Geschichte des Dionysos, des Gottes 
der Festspiele, dargestellt ist. Ueber dem Gebälk befindet sich das aus 
einem grofsen Marmorblock in Form einer flachen Kuppel dargestellte Dach, 
aus dessen Mitte eine aus Akanthusblättern gebildete Steinblume empor- 
zuwachsen scheint; Dieselbe hat zur Unterstützung des Dreifufses gedient. 
welcher als der eigentliche Ehrenpreis von diesem Bau getragen wurde, 
und für dessen Füfse sich ebenfalls kunstvoll verzierte Stützpunkte auf 
der Kuppel erhalten haben. , 
25. Indem wir uns nun zu den baulichen Anlagen wenden, welche 
eine öffentliche Bestimmung hatten, heben wir zunächst die Gymnasien 
hervor, die ursprünglich durch das Bedürfnifs der Einzelnen hervorgerufen, 
sich bald zu Gebäuden von grofser Pracht und zu Sammelpunkten des 
öffentlichen Lebens der Griechen erhoben. Es ist bekannt, welch ein 
grofses Gewicht die Griechen auf eine kunstmäfsige Entwickelung der 
Jugend zu Kraft und Gewandtheit des Körpers legten. An Wettkämpfen 
in allen Leibes- und Kraftübungen erfreute sich schon die homerische 
Zeit, und wir werden es weiter unten noch ausführlicher nachzuweisen 
haben, wie im Lauf und Sprung, im Speer- und Diskoswurf, im Ring- 
und Faustkampf, von jenen Zeiten bis zu den Perioden der höchsten Blüthe, 
die griechische Jugend sich übte, und wie man keine höhere Zierde der 
grofsen gottesdienstlichen Feste kannte, als die öffentliche Schaustellung 
dieser Spiele und Wettkämpfe. 
Was so für das gesarnmte griechische Leben von der gröfsten Wichtig- 
keit war, mufste auch in der Kunst bestimmte Formen hervorrufen, und 
wenn die bildenden Künste aus jener schönen Entwickelung des mensch- 
lichen Körpers den gröfsten Vortheil zogen, so wurden auch der Baukunst 
dadurch neue Aufgaben gestellt, dafs fiir zweckmäfsige Räume zu diesen 
Uebungen und Spielen gesorgt werden mufste. Insoweit es sich nun nicht um 
die öffentliche Aufführung handelte, so dienten dazu Palästren und Gymna- 
sien. In der älteren Zeit hat man die Palästra von dem Gymnasien zu unter- 
scheiden. Die Palästra (rralozidzga, von "am Ringkampf) war ein Local, 
in welchem sich Jünglinge zum Ring- und Faustkampf ausbildeten. Gewifs 
hat man sich diese Locale, die ähnlich wie die Schulen der Grammatiker 
von Privatpersonen gehalten wurden, ursprünglich nur einfach und auf die 
nothwendigsten Räumlichkeiten beschränkt zu denken. Je mehr aber jene
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.