Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-723112
Gräber" 
Insel Amorgos und zu Sidyma. 
Freibauten auf der 
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einigen Stufen; die Wände bestehen aus regelmäfsigem Quaderbau und sind 
unten mit einer Basis, oben mit einem Kranzgesimse geziert. Eines der 
gröfseren, welches unter Fig. 142 und 143 dargestellt ist, hat im Innern der 
Grabkammer, zu welcher kein sichtbarer Eingang hineiniiihrt, einen starken 
Pfeiler, welcher die aus Steinbalken und Platten bestehende Decke trägt und 
über dem vielleicht ursprünglich die Statue des Verstorbenen errichtet war. 
Sehr häuiig ist auf den griechischen Inseln eine Art von Gräbern, 
welche ganz in der Weise der unterirdischen Kammern mehrere Todten- 
betten einschliefsen. Sie bestehen aus starkem Mauerwerk und ihre Decke 
ist gewölbt, woher sie jetzt allgemein den Namen Tholarien erhalten 
haben. Wir führen als Probe hier nur ein Grab an, welches auf der 
Insel Amorgos aufgefunden worden ist (Fig. 144). Dasselbe umfafst drei 
Grabstätten, die durch Steinplatten gegeneinander abgegrenzt sind. Ueher 
jeder derselben befindet sich eine Nische in der Wand, worin Glasgefäfse, 
Lampen u. dergLm. aufgefunden worden sind. Die Thür ist nur sehr niedrig, 
ihre Schwelle besteht aus einer abgerundeten Steinplatte. Das Grab selbst 
ist jetzt von abgeschwemmter Erde überschüttet, stand aber ursprünglich 
ganz über der Erde, wie auch andere derselben Art auf den Inseln Ikaros, 
Kalymnos, Leros u. a., von denen einige fünf bis sechs Grabstätten enthalten. 
Derartige Gräber hatten kaum irgend eine andere Aufgabe, als die 
Reste geliebter Personen sicher zu bewahren und etwa den Angehörigen 
selbst als Gedenkstätte zu dienen, wie ja denn die Sorge um die Gräber 
zu den wichtigsten Pflichten der Lebenden gerechnet wurde. Bei anderen 
Gräbern trat zu dieser noch eine zweite Aufgabe hinzu: die Stätten künstle- 
risch zu verherrliehen und das Andenken der Beerdigten auch Anderen, als 
den Angehörigen, in schöner und charakteristischer Weise näher zu rücken. 
So wird das Grab  und wir haben dies ja auch bei den vorher betrachte- 
ten Beispielen schon bestätigt gefunden  zum Denkmal, zum Monument. 
Beachtet man ferner, dal's den Verstorbenen nach griechischer Sitte 
Heroän-Ehre, ja IZIICIIWCiSG auch Heroön-Cultus zu Theil wurde, so er- 
scheint es _sehr natürlich, dafs man den Grabmälern, die nicht selten Heroa 
genannt wurden, auch eine den Cultnsgebäuden entsprechende Form zu 
geben suchte. So erinnerten schon die oben besprochenen Facaden der 
Felsengräbenan die Fagaden von Tempeln, und so kommt es, dafs auch 
eine nicht unbedeutende Zahl freigearbeiteter Gräber in Tempelform errichtet 
wurde, wie dies beispielsweise auf Thera und anderen Inseln der Fall ist. 
Auf die Form eines Tempels mit freistehenden Säulen an der Fagade scheint 
ein Grabmal binzudeuten, welches von Fellows zu Sidyma in Lykien ent- 
deckt worden ist und dessen Ueberreste unter Fig.145 dargestellt sind,
        

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